Blackouts

Anton, Friday, 04.09.2009, 10:27 (vor 6194 Tagen) @ Besorgt1984
bearbeitet von Anton, Friday, 04.09.2009, 11:04

Hallo,

bevor ich kurz auf Deine Fragen eingehe, möchte ich sagen, dass ich Patient bin. Also aus eigener Erfahrung und aus dem Erleben Dritter spreche. Alles, was ich sage, ist praktisch ohne Gewähr.

Frage 1) Dein Freund macht den Fehler, den viele Epilepsie-Kranke machen. Er meint, er ist anfallsfrei und lässt es dann fehlen an der erforderlichen Disziplin bei der Medikamenteneinnahme.

Die Blackouts, die Du beschreibst, sind Absencen, kleine Anfälle oder Auren. Für Fachärzte sind alle vorgenannten Zustände Anfälle und auch so zu bewerten in Hinblick auf das, was im Kopf abläuft.

Was Dein Freund dann macht, ist eine gute Möglichkeit Anfälle ganz abzuwenden. Im Stadium einer Aura wirkt er gegen und so kommt es nicht zum Bewusstseinsverlust und zu einem großen Anfall mit Krampfen etc.

Frage 2) Diese Blackouts, ich nenne sie Auren, würde gar nicht erst auftreten, wenn er regelmäßig Medikamente nehmen würde. Wenn sie dann trotzdem auftreten, liegt es an einer Unterdosierung, die unbedingt mit dem Neurologen besprochen werden müsste. Alleingänge bei Änderung der Medikation sollte ein Patient nicht vornehmen.

Frage 3) Wenn ein Anfall beginnt, solltest Du ihn in der Form sichern, dass er nicht stürzen kann. Ansonsten musst Du den Anfall ertragen und es aushalten. Die Seitenlage ist auf jeden Fall richtig. Auf keinen Fall etwas in den Mund stecken. Es kommt zwar immer wieder zu Zungen- oder Mundverletzungen, es ist kein Grund, dem Patienten etwas zwischen die Zähne zu schieben.

Es gibt ein Reihe von Notfallmedikamenten. Sie müssen vom Arzt verschrieben werden. Welches das Richtige ist, kann nur der Neurologe entscheiden.

Wenn es zu einer Serie größerer Anfälle kommt und sich der Patient zwischen den einzelnen Anfällen nicht erholen kann, kann es zum Status epilepticus kommen. Der kann tödlich enden. Wenn aus Deiner Sicht das Anfallsgeschehen zu lange anhält, solltest Du 112 rufen. Selbst wenn er sich bis zum Eintreffen des Krankenwagens wieder erholt haben sollte, macht es nichts. Auch dir würden Kosten nicht entstehen. Das einzige, was zu zahlen wäre: Dein Freund müsste die 10 Euro Eigenanteil für den Krankenwagen zahlen.

Um es nicht ständig zu unterlassenen Hilfeleistungen kommen zu lassen, hat der Gesetzgeber entschieden, dass ein jeder einen Krankenwagen bestellen darf, der der Meinung ist, ein Dritter ist in Not, ohne dass ihm Kosten dadurch entstehen.

Liebe Grüße und alles Gute
Anton


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