gedächtnis
Hallo Mondenkind,
ich stell’ mich auch noch mal kurz vor. Bin im Juni 2006 am rechten Temporallappen operiert worden. Und ich bin gottseidank noch anfalls- und aurenfrei. Habe praktisch nach dem Eingriff ein neues Leben beginnen können und werde im Juni d. J. bereits 4 in meinem zweiten Leben.
Für die Zeit nach großen Operationen am Kopf ist zwischen den Arbeitsämter, den Krankenkassen und der Deutschen Liga für Epileptologie (DGFE) eine Vereinbarung für Patienten getroffen worden, die Folgendes besagt: Die ersten drei Monate ist man krankgeschrieben, danach fängt man mit einer Drittelstelle an zu arbeiten, dann noch ein halbes Jahr eine halbe Stelle, erst dann muss wieder voll gearbeitet werden. Um den Arbeitgebern Anreize für die Wiedereingliederung ihrer Mitarbeiter ins Arbeitsleben zu geben, können sie Zuschüsse von der Bundesanstalt für Arbeit dafür erhalten. Muss im Voraus beantragt werden.
Bei mir hat es ein Jahr gedauert, bis ich wieder voll arbeitsfähig war. Wir müssen uns das so vorstellen. Bei dem Eingriff läuft der gesamte Liquor aus dem Kopf. Die OP hinterlässt eine große Wunde. Beim herausgesägten und später an alter Stelle wieder eingeklemmten Knochen muss eine Verknöcherung stattfinden, weil sonst ständig Lebensgefahr besteht.
In Deinem Fall ist es eine Besonderheit gewesen. Der linke Hippocampus wird realtiv selten entfernt. Das Gros der Menschen sind geborene Rechtshänder und haben folglich die wichtigen Funktionen links im Gehirn sitzen. Somit ist es einfach, den rechten Hippocampus ohne die Gefahr neurologischer Defizite herauszuholen. In seltenen Fällen, wie z. B. bei dir, war der Hippocampus links sklerös. Dort ist wesentlich größere Vorsicht des Chirurgen geboten. Bei der nächsten postoperativen Kontrolle würde ich die Ärzte darauf ansprechen.
Vielleicht ist es nur das subjektive Empfinden, dass Du vergesslich bist. Die neuropsychologischen Tests werden es nicht bestätigen. Wenn Du vor einem halben Jahr operiert worden bist, müsste bald der nächste stationäre Aufenthalt, Dauer ca. eine Woche, zur großen Nachkontrolle anfallen.
Ich kann aus Erfahrung sagen, dass man erst sehr geschwächt ist. Die Art der Schwäche ist schlecht definierbar. Bei mir ist es im ersten Jahr danach stufenlos immer etwas besser geworden. Nach gut zwei Jahren war erstmals die Wunde im Innern des Kopfes bei den EEG-Messungen nicht mehr erkennbar.
Du hast die Probleme vieler Operierter. Wer das nicht mitgemacht hat, weiß nicht, wovon gesprochen wird. Beispiel: Ein Mann wird nie nachempfinden können, was eine Frau während der Entbindung durchmacht. Genauso ist es bei den ganz schweren, lebensverändernden Krankheiten, ich denke dabei an Krebs, an den Herzinfarkt oder Schlaganfall. Auch nach diesen Traumen kommt es zu einem psychischen Break-down, das heißt, dass professionelle Hilfe angezeigt ist. Was ich sonst noch an Dokumenten liegen habe, die schon oft veröffentlich worden sind, erhältst Du per PN. Ich wünsche gute Besserung.
Viele Grüße
Anton
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kat,
19.03.2010, 20:13
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Anton,
19.03.2010, 20:46
- gedächtnis - Die Gesunden - Tom vom Berg, 20.03.2010, 06:40
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