Vorstellung

Anton, Saturday, 08.05.2010, 19:38 (vor 5947 Tagen) @ Fritz1601
bearbeitet von Anton, Saturday, 08.05.2010, 19:51

Hallo Fritz,

sei herzlich gegrüßt in diesem Forum. Obwohl Du den Sachstand gut beschrieben hast, sehe ich nicht, seit wann Du an Epilepsie erkrankt bist. Ich unterstelle mal, Du bist im letzten Jahr im Oktober von der Krankheit überrascht worden.

Unabhängig von diesen Komponenten stelle ich fest, dass Du mit dem Ergenyl doch sehr hoch dosiert bist. Obwohl man von einer Höchstdosis nicht sprechen darf, sondern nur von Richtwerten. Der Richtwert bei Ergenyl liegt bei 1200 mgl tgl. Hinzu kommt, dass sich der Höchstwert nach dem Körpergewicht richtet, selbst bei Gewichtsschwankungen ist Vorsicht geboten.

Wenn das Epilepsie-Zentrum Marburg eine Empfehlung für dieses Mittel gegeben hat, wird es in Ordnung sein. Sollte die Empfehlung von der Ärztin ausgegangen sein, müsste es überprüft werden.

Ich kann dich gut verstehen. Du arbeitest für Menschen und setzt dich für sie ein. Sie sind auf Hilfe angewiesen, ihre Probleme führen dazu, dass man mitfühlt und Inhalte mit nach Hause nimmt. Sobald wir es mit Menschen zu tun haben, können wir nicht mehr kalkulieren. Der Mensch – Das unberechenbare Wesen. Diese Situation sorgt für Stress und Aufregung. Es werden Reizfaktoren aktiviert und auf das Gehirn losgelassen. Eigentlich nur etwas für ganz Gesunde, weil es viel Zeit, Aufregung und Nerven kostet. Vielleicht lässt sich beruflich etwas verändern, obwohl ich mir vorstellen kann, dass es dich nicht befriedigen würde, als Sachbearbeiter Akten abzuarbeiten. Es kommt aber auch darauf an, wie stark es dich belastet und wie Du es subjektiv empfindest.

Nochmal zum Ergenyl. Dieses Mittel gehört mit den älteren Antikonvulsiva. Ich persönlich halte nichts davon, es verändert ganz stark die Persönlichkeit eines Menschen. Und ist aus meiner Sicht sedierend. Und macht kaputt. Was nützt am Ende die Anfallsfreiheit, wenn sonst alles nicht mehr wie vorher ist. Du hast eine große Verpflichtung der Familie gegenüber. Wie Du Arbeit und Privat mit diesem Mittel auf die Reihe bekommen willst, vermag ich nicht zu sagen.

Was das Autofahren angeht, gibt es Richtlinien mit Überschrift „Epilepsie und Führerschein“. Sie sind auch hier im Eingangsbereich des Forums zu finden. Was ich eben nicht weiß, wie lange Du schon an Epilepsie erkrankt bist. Ein einziger Anfall ist noch keine Epilepsie. Was das Autofahren angeht, spielt auch die Moral eine große Rolle. Zuerst den Paragraphen eins der Straßenverkehrsordnung beachten und dann die Frage stellen, ob man andere Menschen auf dem Gewissen haben möchte.

Ich bin Patient und älter als Du. Meine Epilepsie ist mit 25 ausgebrochen. So ohne Ankündigung. Plötzlich war sie da. Auch ich hatte damit zu leben und zu arbeiten. Ich war gerade erst verheiratet und hatte zwei kleine Kinder. Im Laufe der Jahre habe ich die für mich wichtigen Punkte zusammengefasst. Heute sind sie für meine Mitmenschen. Vielleicht können sie dir helfen. Sie füge ich unten diesem Beitrag bei.

Liebe Grüße und alles Gute
Anton


Wie kann ich die Zahl der Anfälle reduzieren und dabei dem Arzt und mir selbst helfen?

a) Die regelmäßige Medikamenteneinnahme ist das A und O einer erfolgreichen Therapie.
b) Eine Änderung der Tabletteneinnahme sollte grundsätzlich nur in Absprache mit dem behandelnden Arzt erfolgen.
c) Abweichungen der Wirksamkeit bei Generika oder bei Re-Importen von den Originalmedikamenten sollten unverzüglich dem Arzt mitgeteilt werden. Der Arzt sollte möglichst das aut idem Kreuz markieren und den Hersteller des Mittels auf das Rezept schreiben.
d) Ein Anfallskalender sollte sorgfältig geführt werden.
e) Wenn Angehörige oder Dritte den Anfallsablauf genauesten aufschreiben, kann es für den Arzt eine große Hilfe sein. Anhand dieser Aufzeichnungen (u. U. auch Videoaufnahmen) sieht er, welcher Anfallstyp es ist und kann die Krankheit dementsprechend besser therapieren.
f) Auf Alkohol sollte möglichst ganz verzichtet werden, ebenso auf Flackerlicht in der Diskothek.
g) Für den Schlaf gilt: Es darf nicht zum Schlafentzug kommen. Der Schlaf-/Wachrhythmus muss eingehalten werden.
h) Ein Besuch alle Vierteljahr beim Neurologen ist sinnvoll (Blutserumkontrolle und EEG-Messung).
i) Die Richtlinien „Epilepsie und Führerschein“ sollten beachtet werden.
j) Die Behandlung sollte nur durch einen Facharzt für Epilepsie erfolgen.


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