Psychogene Anfälle oder Epilepsie?

Relaia, Tuesday, 01.03.2011, 11:32 (vor 5649 Tagen) @ Relaia

So, jetzt hoffe ich, dass der Text nicht mehr zu lang ist :-P
Das nächste Mal werde ich mich kürzer fassen, versprochen!:-D

Also, nachdem alles immer schlimmer wurde, machte ich nochmal einen Termin aus. Mein neuer Neurologe fragte mich dann völlig entsetzt (nach EEGs an mehreren Tagen und ein paar recht aufschlussreichen Gesprächen), warum ich nicht schon längst in entsprechender Behandlung (also bei Epilepsie) sei.
Anfang Januar bin ich jetzt auf Lamotrigin eingestellt worden. Anfangs war ich ziemlich müde und konnte mich schlecht konzentrieren, war etwas vergesslich, außerdem hatte ich überhaupt keinen Appetit mehr und mir war öfters übel aber mittlerweile vertrage ich es sehr gut, die Nebenwirkungen sind alle verschwunden (bis auf leichten Schwindel, von dem ich aber nicht genau weiß, ob es von dem Medikament oder von meinem Kopf selbst, also der Epi kommt, wenn mein Kopf mal wieder verrückt spielen möchte, aber das Medikament das schlimmste unterdrückt). Und es geht mir wirklich deutlich besser. Die Anfälle sind deutlich seltener und schwächer geworden, ich fühle mich wieder sicherer, fitter und leistungsfähiger. Eigentlich bin ich zwar kein Freund von Medikamenten, in diesem Fall bin ich aber echt froh, dass ich jetzt endlich eine klare Diagnose habe und v.a. eine Behandlung, ein Medikament das mir hilft.
Zu meiner Therapeutin gehe ich natürlich immer noch. Zum einen wegen dem, was ich erlebt habe, zum anderen hilft sie mir auch mit der Unsicherheit, die so eine Epilepsie, trotz Medikamente, mit sich bringt, und den Umstellungen, die das ganze auch bedeutet, klar zu kommen.

Das war jetzt eine ganze Menge Gerede. Ich hoffe, ich konnte dir zumindest ein bisschen helfen und dir den Mut machen, auf dein Gefühl zu hören. Wenn du das Gefühl hast, da ist noch mehr, deine Anfälle könnten möglicherweise nicht ausschließlich psychisch bedingt sein: bleib dran! Natürlich darf man auch psychogene Anfälle nicht unterschätzen, sie sind ähnlich unangenehm und störend, vor allem aber sind sie ja oft Ausdruck schwerer seelischer Verletzungen, unterdrückter Konflikte oder verdrängter Probleme, die unbedingt mindestens genauso dringend behandelt und aufgearbeitet werden sollten, wie körperliche Krankheiten.
Was ich auch echt interessant fand (ich habe extra sowohl meinen Neurologen als auch meine Therapeutin gefragt, als ich davon gehört habe und beide haben mir das bestätigt): es gibt wohl relativ viele Leute (unter denen, die von solchen Anfällen betroffen sind), bei denen epileptische und dissoziative Anfälle zusammen, also abwechselnd oder sogar manchmal parallel auftreten. Wenn das bei einem der Fall ist, macht es natürlich auch Sinn, eine Kombinations-Therapie zu versuchen, also Behandlung und Betreuung durch Neurologen (und ggf. Medikamenten) und Therapeuten.

Ich wünsche dir alles Gute und dass du bald etwas mehr Klarheit bekommst (und vielleicht sogar eine brauchbare Diagnose und Behandlung)!
Liebe Grüße,
Relaia


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