Ich will einfach nur normal sein

mascha, Thursday, 05.04.2012, 20:44 (vor 5247 Tagen) @ Johanna2506

Liebe Johanna,
ich verstehe sehr gut was du meinst. Ich bin jetzt fast 50 habe die Krankheit seit über 30 Jahren. Ich war 18 als es los ging. Damals brach eine Welt für mich zusammen. Ich liebe es feiern zu gehen, zu trinken und ausgelassen zu sein. Es mag an meinem engen Elternhaus gelegen haben, dass Weggehen so wichtig für mich war. Nur wenn ich feiern war, fühlte ich mich wie ich selber.
Führerschein ging überhaupt nicht ( geht immer noch nicht! ) Ich habe es gehasst, diese durchdringenden Blicke meiner Eltern: die bange Frage : geht es dir nicht gut? Klar hatten sie Angst aber diese Kontrolle hat mich gestört. Dann die Frage,wem erzählt man es , wem nicht!Die ständigen Fragen: warum machst du denn kein Führerschein? Auch heute noch Waaaaas, du hast keinen Führerschein???? Ich will mich nicht immer erklären müssen. Klar meint man heute die Gesellschaft wäre offener dieser Krankheit gegenüber. Aber ich habe das nicht so erlebt.
Als ich die Krankheit bekam, war ich gerade Mutter geworden. Ich hatte ständig Sorge mein Kind fallen zu lassen. Es hätte mich jemand unterstützen müssen...es gab aber niemanden. Die Ärzte fanden kein passendes Medikament und so habe ich die ganzen Jahre versucht diese Sch...Krankheit in den Griff zu bekommen um auch endlich ein normales Leben zu führen. Ich verstehe schon, dass es dir nicht nur ums Feiern und Trinken geht. Denn man ist ja in jedem Bereich eingeschränkt. Ich habe mir dann mit 30 trotzdem ein Pferd gekauft (es ist in den vielen Jahren nichts passiert, also nichts was einem Nichtepileptiker nicht auch passiert wäre ;-) )
Heute geht es mir besser, denn ich habe immer gesehen, dass ich trotz der Krankheit Dinge tu, die mir gut tun. Es ist wichtig Kompromisse zu finden. Auch habe ich ( wie hier schon mal erwähnt) meine Medikamente abgesetzt ( Vooooorsicht damit ) aber in meinem speziellen Fall geht es mir ohne eigentlich besser, weil ich jetzt die Nebenwirkungen nicht mehr spüre und wacher bin etc
Und auch mal was trinken kann:-)
Es ist ja so, dass diese Epilepsie so viele Gesichter hat, dass man nicht von einer Person auf andere schließen kann.Was für den einen gut ist, ist für den anderen verkehrt. Jeder muss einen Weg für sich finden. Ich habe ganz viel dafür getan ganz für mich allein glücklich zu werden. Ich glaube das ist sehr wichtig.
So, oh je jetzt habe ich dich aber vollgetextet :) ich wollte nur sagen : Ich verstehe dich.
Ich wünsche dir und allen anderen ganz viel Glück


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