Ratlosigkeit ! Bin ich verrückt oder sind es die Ärzte ?

huge88, Großraum Nürnberg/Fürth/Erlangen, Saturday, 12.05.2012, 19:49 (vor 5210 Tagen) @ Sansh1980

Keine Sorge, Du bist nicht verrückt. Das sich Ärzte nicht einig sind, ist fast schon üblich - und wenn sie sich wie in den größeren Epilepsiezentren und Ambulanzen zusammen an einen Runden Tisch setzen mitunter sogar produktiv.

Kann es sein, dass ich diese "Auren" plötzlich nicht mehr merke bzw. wahrnehme aufgrund einer anderen Medikation?

Mit der Veränderung einer Medikamentation bzw. durch den Wechsel von Medikamenten kann sich die persönliche Wahrnehmung des Umfeldes an und für sich ändern und ebenfalls die persönliche Wahrnehmung. So kann es z.B. durchaus vorkommen, dass man bei einer gewissen Dosis auch Auren anders wahrnimmt, als bei einer anderen oder dass diese nicht auftreten/wahrgenommen werden.

Müssen Nebenwirkungen immer und in gleich beeinträchtigender Weise vorhanden sein?

Nebenwirkungen können schwanken, bedingt durch die unterschiedlichsten Faktoren in unserem doch sehr komplexen Körper mit seinen vielzähligen Möglichkeiten, Stoffe zu verarbeiten oder erst ab einem gewissen Schwellenwert wirklich stark auf diese zu reagieren. Das ist in unserem Körper(chemisch gesehen) immer eine Gleichgewichtsfrage.
Ein "Faktor" alleine, der z.B. Kopfschmerzen auslösen kann, wenn er zu lange an gewisse Rezeptoren bindet, löst diese nicht aus, solange es einen zweiten Faktor in ausreichender Menge gibt, der dafür sorgt, dass der Faktor den Rezeptor früh genug wieder loslässt. Ist dieser zweite Faktor zu gering vorhanden, oder kommt mit der Arbeit nicht nach, weil es so viel vom "Kopfschmerzfaktor" gibt, kommt es zu Kopfschmerzen.

Kann es sein, dass meine Anfälle unter Frisium stärker waren und ich länger gebraucht habe mich von den Anfällen zu erholen als unter der neuen Kombination?

Die Anfallsstärke und damit auch die Zeit, die man zur Erholung benötigt, kann von Medikament zu Medikament und auch Dosierungsabhängig schwanken. Auch kann es einen Einfluss auf die zur Erholung benötigte Zeit haben, wie viel Energie der Körper dafür aufwenden muss, mit dem Medikament klar zu kommen. Wenn die Medikamente z.B. bei jemanden den Kreislauf durcheinanderbringen, hat der Körper dann nach einem Anfall sozusagen zwei Baustellen, auf die er seine Kräfte und Ressourcen aufteilen muss.

Wieviele Medikamente musstet ihr ausprobieren, bis man eines gefunden hat, das Eure Anfälle reduziert? Bin ich noch in der Norm? Oder warum schlägt bisher kein Medikament so srichtig an?

Die Suche nach dem richtigen Medikament für einen persönlich kann zwar auch eine langwierige Sache werden, aber in der Regel lassen sich doch recht gut Medikamente finden, die zu einem und der Anfallsart passen. Für gewöhnlich sollte erst einmal versucht werden, eine Monotherapie statt einer Dualtherapie anzustreben - kommt natürlich auch auf die Erfahrungswerte bei gewissen Epilepsieformen an. Bei Dir wurden, so wie ich das lese, ja noch nicht alle Medis durchprobiert(vorrausgesetzt natürlich, es spricht nichts gegen gewisse Stoffe; bin kein Arzt und kenne ja keine Details von Dir, kann das also nicht fachmännisch beurteilen.)

Ich persönlich würde mich, wenn ich mich von einem Arzt nicht ernst genug genommen fühle, nach einer Zweitmeinung von einem anderen Facharzt erkundigen(ist das Recht eines jeden Patienten) und den Arzt auch ggf. wechseln.

Was würdest Du davon halten, noch einmal in der Epileptologie in Bonn(hat einen sehr guten Ruf) vorstellig zu werden und den Fachärzten dort Deine allgemeinen Probleme und die unterschiedlichen Meinungen Deiner Ärzte darzulegen? Du könntest mit den Epileptologen dort dann besprechen, ob eine Umstellung angesichts Deiner Nebenwirkungen in Deinem Fall sinnvoll sein könnte und sie ggf. bitten, einen entsprechenden Umstellungsplan, an den sich Deine übrigen Ärzte halten sollen, aufzustellen.

Im Übrigen kann es auch hilfreich sein, sich vor solchen Gesprächen bereits auf einschlägigen Seiten zu informieren, um die Ärzte besser verstehen zu können bzw. den Ärzten leichter verständlich machen zu können, was man sagen will. Da prallen bisweilen ja ganze Sprachwelten aufeinander. Eine gute Seite ist zum Beispiel: http://www.dgfe.info/home/

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Das ist der Weisheit letzter Schluss:
Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,
Der täglich sie erobern muss.
Johann Wolfgang Goethe - Faust, der Tragödie zweiter Teil


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