Beziehung zu einem Epileptiker
Ich glaube, so richtig von Herzen gerne reden nur wenige von uns Epileptikern über unsere Krankheit. Ich denk, es fällt uns eher unterschiedlich leicht/schwer, darüber zu reden, mit abhängig davon, wie gut wir damit zurechtkommen bzw. wie gerne wir uns damit selbst an unsere Krankheit erinnern wollen.
Ich persönlich empfände es zumindest als nervend, wenn sich jemand aus meinem persönlichen Umfeld darum kümmern, nachfragen oder sonstwie darauf achten würde, dass ich auch ja meine Medizin regelmäßig nehme. Würde die auch so nehmen aus reiner Routine, ohne dabei überhaupt an meine Epilepsie wirklich so richtig bewusst zu denken, im Gegensatz dazu, wenn mich jemand erinnern würde. Oder wenn mir jemand "helfen würde, wo er kann". Das empfände ich persönlich als bemutternd.
Aber statt jetzt viele Worte zu schreiben möchte ich lieber einmal ein paar Fragen in den Raum stellen, die Du hier nicht beantworten musst, wenn Du nicht willst, aber einfach einmal als Denkanstoß für Dich:
1) So wie ich Deinen Text lese, schränkt Euch seine Epilepsie nicht im Alltag ein. Er ist, bis auf die zwei Mal(ich gehe jetzt einmal Auren aus) fast anfallsfrei. Spielt für Dich seine Epilepsie in Eurer Beziehung vielleicht eine größere Rolle, als für ihn, bzw. als Du Dir selbst eingestehen willst? Und wieso fragst Du gerade hier nach seinen möglichen Bedürfnissen, anstatt mit ihm zu reden? Und wieso machst Du Dir überhaupt Gedanken um "besondere" Bedürfnisse von ihm als Epileptiker? Reicht Dein vertrauen in ihn nicht so weit, dass Du darauf vertraust, dass er Dir sagen würde, wenn ihm etwas fehlt?
2) Du schreibst, er hätte Angst, seine Freiheiten aufgeben zu müssen. Was meint er mit Freiheiten? Die Freiheit, einen traditionellen Männerfußballabend mit ein paar alten Kumpels auch einmal ohne Dich zu verbringen?
3) Du schreibst, in seinen Augen wäre er Deine einzige Bezugsperson. Wie kommt er zu diesem Eindruck? Hat er den Eindruck, dass Du zu viel an ihm "klammerst" oder hast Du in seinen Augen nur wenige freundschaftliche Kontakte, mit denen Du einmal etwas ohne ihn unternimmst?
4) Was meinst Du mit spezieller Ordnung? Was genau stört Dich daran? Will er die Ordnung wirklich nicht ändern, oder will er nur nicht, dass Du sie komplett auf den Kopf stellst( und vielleicht Deinem früheren Leben anpasst)?
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Das ist der Weisheit letzter Schluss:
Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,
Der täglich sie erobern muss.
Johann Wolfgang Goethe - Faust, der Tragödie zweiter Teil
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Schusselchen,
17.06.2012, 17:50
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