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mezeg, München, Friday, 24.08.2012, 12:57 (vor 5106 Tagen) @ Jasse( wer sonst??)

Hallo Jasmin,

hatte mich zuerst nicht gemeldet, weil ich altersmässig jenseits der Grenze und außerdem nur seit 2 Jahren "dabei" bin.
Gib das Lesen bitte nicht gleich auf, weil ich "großmütterlich" schreibe. Mir kommst Du vor wie diese Schmetterlinge, die sich nachts in eine Öllampe verwirt haben und verzweifelt gegen die Wände fliegen, anstatt den Ausgang zu suchen. Du wehrst Dich gegen diese Diagnose und verschwendest jede Menge Energie dabei.
Wie wäre es, wenn Du Dich in einem angenehmen gesicherten Ort eine Weile zurückziehen würdest, um in aller Ruhe Bilanz zu ziehen? Was ändert sich nun unweigerlich? Was darf ich (fast) nicht mehr? Was könnte man ändern / erleichtern? Was sagen andere Epileptiker (na, wir z.B.)? Wie bringe ich den Arzt dazu auch mit mir zu sprechen? Wie kann ich den Mobbern Paroli bieten? Helfen die Medikamente wirklich? usw.
Kann Dir nur ein Paar Vorschläge machen. Bringe alles aufs Papier und schlafe darüber, bevor Du es aufarbeitest. Deine Epilepsie wird nie weg gehen? Jetzt vielleicht... aber die Medizin macht so viele Fortschritte, daß es in ein Paar Jahren denkbar werden könnte. Du möchtest, daß der Neurologe auch mit Dir spricht (finde ich persönlich auch notwendig)? Dann bereite in aller Ruhe auf einem Papier, was Du ihn fragen möchtest, und sage ihm RUHIG, NÜCHTERN, daß es doch um Dich geht, und daß Du persönlich informiert werden muß, um bei der Therapie aktiv mitzumachen. Aber bitte nicht als Schmetterling! Mein Neurologe sagt, daß er seine Rolle "nur" als Beratung sieht, ich muß es doch bejahen. Und der Kardiologe sagt grundsätzlich, daß Arzt und Patient eine Partnerschaft bilden. Wäre gut, wenn Du vorher Deine Mutter darüber informieren würdest, aber ruhig! Vielleicht hast Du so etwas wie eine Tante, die zwischen zwei Parteien vermitteln und auf einem ruhigen sachlichen Ton beiderseits achten würde. Denk dran: Deine Mutter hat dadurch ihren Mann / deinen Vater verloren und es ist verständlich, daß sie Angst hat.
Was dem Mobbing angeht: Wer das macht, hat zuwenig Selbstverstrauen und glaubt sich bestimmen zu können, indem er andere nieder (also runter zu seinem Niveau) macht. Eigentlich könnte es man fast als Kompliment betrachten... Und es gab immerhin sehr bekannte Epileptiker: Dostojewski, Paganini, Napoléon... und damals gab es keine Medikamente... Sag ihm doch, daß Du Dich an deren Genie hocharbeiten willst...
Arbeite an Deine Reife und nehme die Herausforderung wie eine Erwachsene mit erhobener Haupt an. Du wirst es noch zeigen, daß Du es meistern willst und wirst.

"Grand-mère" mezeg

P.S. Schmetterlinge, die sich in der Öllampe verirren, sind Nachtsschmetterlinge und nicht besonders schön. Mutiere lieber in einen wunderschönen Tagschmetterling, der leichtfüssig, nein, "leichtflüglig" von Blume zu Blume Lebensfreude holt.


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