Vollkommen ratlos.... Zu viele Fragen

huge88, Großraum Nürnberg/Fürth/Erlangen, Thursday, 11.10.2012, 10:13 (vor 5058 Tagen) @ Anmelden

Hi!

Ich bin neu hier und weiß gar nicht, ob ich hier richtig bin oder nicht...

Ich denke, Du bist hier schon an einer guten Adresse, nach allem, was Du geschildert hast.

1. hat jedes Epi-Medikament soooooo gravierende Nebenwirkungen? Wie lange dauert es i.d.r. Ein geeignetes Medikament zu finden?

Da muss man in meinen Augen immer mehrere Aspekte betrachten, da grundsätzlich zwar kein Medikament ohne potentielle Nebenwirkungen daherkommt, diese aber nicht zwingend auftreten müssen:

Zum einen ist die Frage, wie schnell Umstellungen/Einstellungen auf die Medikamente erfolgen. Wenn man das in ganz kleinen Schritten vornimmt, so dass sich der Körper besser an die Wirkstoffe gewöhnen kann, verringert man mitunter die Wahrscheinlichkeit, dass Nebenwirkungen auftreten(Wenn ich Dich richtig verstanden habe, wurde sie ja innerhalb von einer Woche auf 600mg - 0mg - 600mg Orfiril eingestellt, was ich persönlich als sehr schnelle Aufdosierung empfinde. Wenn ich den Beipackzettel gerade richtig gelesen habe, wird darin eine Aufdosierung von 5 bis 10 mg/kg Körpergewicht alle 4 bis 7 Tage empfohlen. Das hieße, exemplarisch für eine langsame Einstellung gerechnet, dass bei einer Frau von ca. 70 kg Körpergewicht pro Woche 350mg aufdosiert werden sollten.).

Dann ist auch die Frage, ob man mit der gegebenen Dosis auch die erwünschte Konzentration im Blut erreicht oder vielleicht auch aus irgendwelchen Gründen bei der behandelten Person weit darüber hinausschießt. Deshalb sollte während der Einstellung auch z.B. der Medikamentenspiegel überwacht werden.

Einige anfängliche Nebenwirkungen, wie z.B. Müdigkeit, können sich nach einiger Zeit, wenn sich der Körper ausreichend an das Medikament gewöhnt hat, auch verschwinden.

Und man muss auch immer die potentiellen Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten bedenken. Z.B. ist bei Orfiril, wie ich gesehen habe, Acetylsalicylsäure(z.B. Aspirin), mitunter problematisch, weil diese die Bindung des Wirkstoffes an das Bluteiweiß erschwert.

2. meine LG arbeitet in einem Großunternehmen in einer kaufmännischen Abteilung. Der Neurologe meinte schon unter Keppra, sie könne sofort wieder arbeiten - was sie aus meiner Sicht allerdings nie hätte machen können wegen des fehlenden Lesens und scheibens. ... Wie er darauf kommt, kann ich nicht nachvollziehen ...

Grundsätzlich ist es nicht problematisch, gleich wieder "loszulegen", wenn man die Medikamente ausreichend verträgt. Wenn sie evtl. Zeit braucht, um sich an ein Medi zu gewöhnen, solltet Ihr darüber mit Ihrer Ärzten sprechen bzw. was ja auch noch eine Möglichkeit wäre ist, um nicht gleich von einem Arztwechsel zu sprechen, ist, dass Ihr Euch einfach eine Zweitmeinung von einem anderen Neurologen einholt, dazu muss Ihr Ihr Hausarzt eine Überweisung ausstellen. Das Recht auf eine Zweitmeinung hat jeder Patient, gerade bei einer solch wichtigen Entscheidung wie einer langfristigen, medikamentösen Behandlung.

3. gibt es für mich noch andere Anlaufstellen hinsichtlich ihrer Arbeit zu ihrem Schutz? Um was kann ich mich noch kümmern?

Es gibt eine ganze Menge Anlaufstellen. Das beginnt bei gemeinnützigen Vereinen und Beratungsstellen mit oder ohne Spezialisierung auf Epilepsie, über Selbsthilfegruppen und z.B. MOSES(FaMOSES)-Schulungen bis hin zum potentiellen Antrag eines Schwerbehindertenausweises(einen GdB von 30%, wenn auch keinen Schwerbehindertenausweis selbst, bekommt man i.d.R. mit der Diagnose Epilepsie, wenn man regelmäßig Medikamente nehmen muss, leicht; Da kann man dann glaub ich auch einen Gleichstellungsantrag stellen, um die arbeitsschutzrechlichen Vorteile eines Schwerbehindertenausweises zu genießen, damit kenn ich mich aber nicht aus. Sowas macht man besser mit entsprechenden Beratungsstellen zusammen).

4. ich hab natürlich noch 10.000 andere drängende fragen, aber momentan scheint mir die Sache mit ihrer Arbeit am wichtigsten....

Na dann einfach immer weiter Fragen stellen. Das kostet nichts und antworten gibt's hier umsonst.

Ciao

--
Das ist der Weisheit letzter Schluss:
Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,
Der täglich sie erobern muss.
Johann Wolfgang Goethe - Faust, der Tragödie zweiter Teil


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