Automatisch als Schwerbeschädigt betrachtet?

mezeg, München, Tuesday, 13.08.2013, 17:20 (vor 4751 Tagen)

Hallo,

war gestern Teilnehmerin bei einem Ausflug des Service-Zentrums, wo ich auch ehrenamtlich tätig bin. Der Ausflug wurde von einer früheren Bekannten organisiert, die ich in dem Zentrum wieder traf.

Sie bat mich um Unterstützung bei der Beschaffung der verschiedenen Fahrkarten für die Gruppe und sagte ganz selbstverständlich dazu: "Du brauchst doch selber keine, Du hast den Schwerbehindertenausweis!" Ich fühlte mich fast genötigt zu rechtfertigen, warum ich eben keinen habe! Dabei ist sie gelernte Arzthelferin.

Im Zug saß ich gegenüber einen älteren sehr freundlichen Dame, die ich regelmässig und gerne bei den Veranstaltungen treffe. Und da kam es wieder, ganz selbstverständlich: "Sie zahlen doch in öffentlichen Verkehrsmitteln nicht, sie haben doch auch einen Schwerbehindertenausweis."

Ich wußte natürlich, wohin sie will, stellte mich aber dumm. Wie könnte ich unfähig sein, selbständig zu fahren, wo ich trotz schlechten Wetterverhältnissen dieses Jahr bereits über 4.000 KM geradelt bin? "Aber... mit ihrem Kopf!" Und sie versuchte mich zu überreden, daß ich einen solchen Ausweis beantragen sollte. Sie und die andere Dame mir gegenüber haben beide einen und sprachen darüber, wie schwierig es war, einen mit G zu bekommen.

Und ich würde einen so selbstverständlich bekommen? Bin also doch so "schwerbehindert"? Auch als ich sagte, der Neurologe würde es nie unterstützen und hätte mich sonst selber über die Notwendigkeit des Ausweises informiert, bekam ich nur skeptische Blicke.

Dabei sind die Organisatorin und diese Dame keineswegs mir gegenüber unfreundlich. Sie kennen mich aber "vorher / nachher", können jedesmal feststellen, daß sich mein Verhalten nur in gelegentlichen Sprachblockaden geändert hat - dies immer seltener.
(Langjährige Freunde hatten sich übrigens darüber kaputt gelacht, ich würde nicht langsamer reden als früher ;-) ;-) )
Daß ich vom Fahrrad nicht zu trennen bin, wissen sie auch!

Also wer mit der Etikette "Epilepsie" gekennzeichnet wird, ist grundsätzlich schwerbehindert, egal wie es sich bei ihm ausdrückt, ob man es merkt oder nicht etc.

Einfach abgestempelt.

mezeg

P.S. Daß ich in dem See wie früher unvernünftig weit - und mit Genuß - geschwommen bin, zählt auch nicht? Ich bin schwerbehindert und basta!

P.P.S. Bitte nicht annehmen, daß ich keinen Respekt vor Schwerbehinderten egal welcher Art hätte. Ich weiß, welches unschätzbare Glück ich habe, nicht behindert zu sein, so schnell und mit so wenig Nachwirkungen von diesem Meningeom befreit worden zu sein und auf einem fähigen und einfühlsamen Neurologe rechnen zu können. Ich würde es daher als Betrug meinerseits betrachten, Erleichterungen für Schwerbehinderten in Anspruch zu nehmen, wo ich eben nicht behindert bin!


gesamter Thread: