Panikattacken durch Epilepsie

huge88, Großraum Nürnberg/Fürth/Erlangen, Thursday, 19.09.2013, 10:00 (vor 4714 Tagen) @ purzel_18_15

Hi!

Habt ihr auch Angst oder bin ich völlig durchgedreht, weil ich Ängste habe, die ein „richtiger“ Epileptiker nur belächelt, weil er begründete Sorgen hat?

Also erst einmal wirst Du hier niemanden finden, der Deine Ängste belächelt. In wie weit sie tatsächlich begründet sind, ist nur schwer zu beurteilen und steht auf einem anderen Blatt. Aber sie sind da und daran gibt's nix schönzureden oder gar zu belächeln. Ängste sind alles, nur nix schönes.

Vielleicht, um Dich einmal etwas zu beruhigen: Du bist jetzt schon so lange anfallsfrei, dass sich Dein körpereigener Schutzwall vor Krampfanfällen wieder in Ruhe hat aufbauen können, was die Gefahr eines weiteren Anfalls fast auf das von einem ganz normalen Durchschnittsmenschen senkt.

Sind Anfälle aber nicht bei allen Menschen möglich? Und kann es nicht sein, dass so ein Anfall einmalig auftritt und dann nie wieder?

So ist es. Um das einmal in eine greifbare Zahl umzuwandeln: Je nachdem, welche Statistik man zu Grunde legt, haben ganze 5% der Bevölkerung einmal in ihrem Leben einen Krampfanfall, also ist Dein einmaliger statistisch gesehen eigentlich nix besonderes, auch wenn's einen persönlich natürlich hart trifft. Und von diesen 5% hat die große Mehrheit nie wieder einen weiteren Anfall.
Und nur weil Deine Mutter Epilepsie hatte, muss das noch nicht einmal etwas mit Deinem einen Gelegenheitsanfall zu tun haben. Es gibt eine ganze Menge Gründe für Epilepsien und nicht alle senken die Anfallsschwelle über einen Mechanismus, der überhaupt vererbt werden kann.

Ich möchte euch, die „wirkliche“ Betroffene sind, bitten, mir zu erklären, wie ihr mit dieser ständigen Angst leben könnt, dass es jederzeit passieren kann?

Um mit Ängsten etc. umzugehen, da hat so jeder seine eigene Strategie die mehr oder minder gut funktioniert. Das hängt stark von der eigenen Persönlichkeit ab und wie stark die Epilepsie das Leben von jemanden bereits beeinflusst hat und er/sie diese Beeinflussung beurteilt.
Ich selbst tu mich da vielleicht auch inzwischen recht leicht so zu reden, bin ich ja doch inzwischen wieder unter ordentlicher Medikamentation ein paar Jahre anfallsfrei. Mehr als ein paar Grundregeln(regelmäßige Medikamenteneinnahme, regelmäßiger Schlaf, kein Alkohol wegen der Medis) und ein paar persönliche Wohlfühlübungen ohne jeglichen Wissenschaftlichen beleg, dass sie was bringen(progressive Muskelrelaxion) kann ich eh nicht tun.
Ich würde allerdings lügen, wenn ich jetzt sagen würde, dass nicht zwischendrin auch bei mir irgendwann einmal wieder ein ängstlicher Gedanke auftauchen würde - z.B. wie jetzt, wo ich mich ja aktiv und bewusst mit dem Thema auseinandersetzen muss. Aber ich kann damit gut umgehen und den Gedanken auch zurück in die passende Schublade einpacken. Der bleibt dann nicht da und spukt mir den ganzen Tag lang hinterher.

Dürft ihr Auto fahren?

Inzwischen bin ich jenseits der Gutachterleitlinien wieder anfallsfrei und hab kein ärztliches Fahrverbot mehr, aber ich verzichte derzeit und vermutlich noch lange darauf. Ich komm gut mit dem Fahrrad und den öffentlichen Verkehrsmittelns zurecht. Meine Anfälle waren in der Vergangenheit mit zu großen Abständen dazwischen, als dass ich die existierenden Leitlinien als auf mich zutreffend empfinde.

Habt ihr Kinder, wenn ja, wie habt ihr ihnen erklärt, was sie tun sollen, wenn Mama einen Anfall hat?

Ich persönlich hab noch keine, aber wir haben hier eine große Bandbreite von Eltern, die vor noch gar nicht so langer Zeit Kinder bekommen haben. Ich schätze, so wie ich Mondenkind kenne, wird sie hier auf jeden Fall etwas dazu schreiben. Die haben sicherlich ein paar gute (Bilder-)Buchempfehlungen für Dich.

Aber die Neurologin scheint mir in letzter Zeit ein wenig "komisch", wenn ich das einmal so sagen darf!? Sie redet permanent von einem neuen Anfall usw. Genau das ist Gift für mich und meine Gedanken.

Warum gehst Du eigentlich noch regelmäßig zu Ihr? Ich meine nach einem einmaligen Gelegenheitsanfall nach so langer Zeit, wäre das ja nicht unbedingt mehr (meine persönliche Laienmeinung) notwendig, oder gibt's da irgendetwas bei Dir, was beobachtet werden soll?

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Das ist der Weisheit letzter Schluss:
Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,
Der täglich sie erobern muss.
Johann Wolfgang Goethe - Faust, der Tragödie zweiter Teil


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