Gefangen im falschen Berufsbild

pegasus, Saturday, 31.05.2014, 16:08 (vor 4460 Tagen) @ Noooh

Okay von Anfang an. Ich hatte auch zu erst eine Umschulung begonnen, welche ich dann Abbrechen musste aufgrund eines vermehrten Auftreten von Anfällen. Heute weiß ich, dass es mit den Lichtverhältnissen in der Umschulungseinrichtung zusammenhing.

Dann hatte ich nochmals eine Umschulung begonnen, mit dem Erfolg, dass ich diese nochmals abbrechen musste und diesesmal wegen einer Medikamentenumstellung, denn eine Aufdosierung von Topamax brachte die Nebenwirkungen so richtig heftig zum Vorschein und beim anschließenden Medikamentenwechsel kam es zu massiven Wechselwirkungen, so dass sich diese knappe 6 Monate hingezogen hat.

Dann kam ich in eine Berufsfindungsmaßnahme und hier wurde vorgeschlagen, dass ich nach Bethel in die Reha gehen solle, was ich auch tat.

Der Unterschied zwischen den berufsvorbereitenden Maßnahmen, egal um welche es sich dabei handelt, ist so klein und doch gravierend.

Bei den allgemeinen berufsvorbereitenden Maßnahmen kennt man nur die allgemeinen Einschränkungen für Menschen mit Epilepsie. Das heißt, die können dir nur sagen, dass du keinen Schichtdienst machen darfst, nicht an schweren Maschinen usw usw usw (dürfte dir alles bekannt sein).

Der Unterschied zu einer Einrichtung wie Bethel besteht daher darin, dass hier genauer auf deine Form der Epilepsie geschaut wird und was wirklich machbar ist. Denn ein Industriekaufmann sitzt zum Beispiel nicht zwangsläufig im Büro, denn wenn du zum Beispiel für den Einkauf von Rohstoffen zuständig bist, musst du diese Rohstoffe auch kontrollieren und bei einem Stahlwerk wäre es Fatal, wenn du dann auf einmal dort einen Anfall bekommst. Gleiches wäre es, wenn du ab und an mal in einem Labor sein müsstest, um hier irgendetwas zu testen oder sonstiges (das sind beides persönliche Erfahrungen aus meiner Ausbildungssuche von vor über 15 Jahren und hier wollte ich selbst das Risiko nicht eingehen).

Fakt ist, der Industriekaufmann ist zwar ein höherwertiger und guter Job, aber mit der Erkrankung Epilepsie kannst du diesen Beruf nicht überall ausüben.

Und so kannst du am Ende auch das Arbeitsamt davon überzeugen, dass dieser Beruf nicht mit deiner Erkrankung vereinbar ist, aber hierfür brauchst du eben eine fachärztliche Einschätzung und eine solche bekommst du nur aus einer medizinischen Rehabilitationeinrichtung wie in Bethel, denn die Amtsärzte haben davon, meiner persönlichen Erfahrung nach, nicht die geringste Ahnung, was es da alles zu beachten gibt bei Epileptikern.


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