Krimi und Epilepsie

huge88, Großraum Nürnberg/Fürth/Erlangen, Tuesday, 14.10.2014, 18:07 (vor 4324 Tagen) @ keki

Aber es hört sich so an, als wären komplex-fokale und einfach-fokale Anfälle sowie Absencen Risikofaktoren, um eine Psychose zu entwickeln.

Naja, da muss man sich erst einmal klar machen, was die Ärzte eigentlich unter dem weiten Begriff der Psychosen alles zusammenfassen. Gehen wir nach WHO sind das Störungen, "bei der die Beeinträchtigung der psychischen Funktionen ein solches Ausmaß erreicht hat, dass dadurch Realitätsbezug, Einsicht und die Fähigkeit zu sehr gestört sind, um einigen der üblichen Lebensanforderungen noch zu entsprechen"

Psychosen kommen, je nachdem, welche Literatur man zu Grunde legt, bei bis zu 10% von uns Epis vor - das ist der höchste Wert den ich gefunden habe. Gibt auch Quellen, nach denen es nur 2% sind.

Die sogenannten iktalen Psychosen sind quasi eine Art krampffreier status epilepticus (einfach fokaler Status, komplex fokaler Status oder Absenzenstatus) und direkt an das zeitliche geschehen eines Anfalls gekoppelt. Genauso gibt's dann die postiktalen Psychosen nach dem eigentlichen Anfall (machen ca. ein viertel der hier betrachteten Psychosen aus und können auch mehrere Tage anhalten; kommt wohl besonders oft bei Temporallappenepilepsie und damit einhergehenden komplex-fokalen Anfällen vor).

Das, woran wir aber bei Psychose typischerweise als erstes denken, sind die "auch ohne Anfall Geistesgestörten". Für Psychosen in anfallsfreien Zeiten, die z.B. mit optischen und akustischen Sinnestäuschungen einhergehen können, gibt's die Begriffe interiktale bzw. paradoxe Psychose. Und nur ein Teil von denen widerum kann als Schizophren diagnostiziert werden.

Und dann gibt's da noch die kuriose und extrem seltene "Alternativ-Psychose", an der Antiepileptika beteiligt sein können und die nur in anfallsfreien Zeiten auftritt (da hat man da quasi die Wahl Anfälle oder Psychose). Wobei ich dazu sagen muss, ich weiß nicht, in wie fern da noch die Diskussion/Forschung läuft, ob das wirklich eine eigene Psychose ist oder unter was anderes fallen muss.

Deutlich häufiger als Psychosen sind hingegen Depressionen, Angststörungen und Persönlichkeitsstörungen.

Noch ein paar Links, wer was zum lesen möchte:
- http://www.psychosoziale-gesundheit.net/pdf/faust1_seele_epilepsie.pdf
- http://www.epilepsie-netz.de/119/Psychiatrie.htm
- http://www.springermedizin.at/artikel/35769-postiktale-psychose-bei-epilepsie

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Das ist der Weisheit letzter Schluss:
Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,
Der täglich sie erobern muss.
Johann Wolfgang Goethe - Faust, der Tragödie zweiter Teil


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