16 Jahre anfallfreie und plötzlich wieder...

Mathes, Dienstag, 27.09.2022, 17:54 (vor 64 Tagen) @ Josy9

Hallo,
ich versuch mal, mir etwas von der Seele zu schreiben, Ängste, die mich beschäftigen:
Ich hatte 2005 eine 2/3 Resektion des linken Temporallappens, da ich medikamentös nicht einstellbar war und die OP bei mir GsD eine Möglichkeit war, anfallsfrei zu werden. Dies war auch so und die Medis wurden bis 2010 ausgeschlichen. Psyche und Gedächtnis waren nach der OP etwas überstrapaziert, doch es wurde letztendlich besser.
Im Juni 2021 habe ich dann - nach einer BurnOut-Pause - eine neue Arbeit begonnen. Hier hatte ich dann plötzlich während des Gesprächs mit einem Klienten seltsame Gefühle: das Sehen wirkte sehr anstrengend, ich konnte nicht mehr mitschreiben... Zu mir gekommen bin ich dann erst wieder im Krankenhaus. Dort blieb ich dann ein paar Tage zur Abklärung. Nachdem ich mit dem Kopf am Tisch angeschlagen bin, hatte ich auch blaue Augen. Die Schwester stimmte mir zu, als ich meinte, ich sähe aus, als ob man mich geschlagen hätte. Der Arzt meinte, es würde sich seiner Meinung nach eher nach einem Kollaps anhören. Und ich war erleichtert.
Trotzdem wurde sicherheitshalber im Sommer ein Langzeit-Video-EEG vorgenommen. Dabei passierte nichts weiter. Der Facharzt jedoch stellte im Gespräch danach fest, dass es sich seiner Meinung nach klar um einen Anfall handelt. Es ging mir damit nicht gut - ich wollte das nicht glauben.
Als ich dann wieder so in den Rhythmus kam, normal zu leben, passierte plötzlich der zweite, im November 2021. Leider war es auch hier nicht im geschützten Rahmen, wie etwa meiner Wohnung. Es befanden sich einige Leute in meiner Umgebung und ich konnte auch nichts dagegen tun. Der Anfall kam und ich hatte vorher wieder eine Aura. Zu mir gekommen bin ich dann im Rettungswagen. Die Prozedur im Krankenhaus mit dem Unterschied, dass ich hier - total müde - am Abend entlassen wurde. Das kennt ihr vmtl auch aus Erfahrungen.
Es hat mich total aus den Socken gehauen. Seitdem nehme ich auch wieder Medikamente und habe Unterstützung durch eine Ärztin in der Psychosomatik. Zusätzlich gehe ich zur Psychotherapie. Nachdem ich zu den "Glücklichen" gehöre, die eine Aura haben, habe ich außerdem das Nasenspray bekommen und fühle mich dadurch sicherer.
GsD hatte ich seither keinen Anfall mehr. Doch wegschieben kann ich das Thema auch nicht so, will ich ja auch gar nicht. Es wirft immer wieder so traurige Momente in mir auf... diese Hilflosigkeit, "Ohnmacht"... vor allem auch nach den Anfällen, wo ich eigentlich nur schlafen möchte und aufgrund der Notarzteinsätze dann immer ins Krankenhaus kam und das so nicht möglich zu sein schien.
Wie geht es euch so damit?


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