Können Absencen eindeutig von Tagträumen abgegrenzt werden?

Trishka, Monday, 30.10.2023, 17:11 (vor 231 Tagen) @ Sanktus Achzehn

Hallo Trishka,

vermutlich wirst du das nur zusammen mit Ärzten endgültig herausfinden können. Tagträume halte ich bei Gefahrensituationen, wie z. B. vom Pferd fallen, für eher unwahrscheinlich. Zumindest würde ich erwarten, dass du im letzten Moment hochschreckst und das Fallen zwar ggf. nicht mehr verhindern kannst, aber eben doch wahrnimmst. "Geistig abwesend fühlen" - was ja noch mal etwas anderes ist, als "abwesend sein" - klingt auch eher nach Epilepsie. Es ist zwar relativ normal, dass man gelegentlich gedanklich abdriftet, kann sich aber eigentlich jederzeit daraus wieder "ins Jetzt" zurück bringen. Was Dinge wie den Kopierer anbelangt, so kann es allerdings auch einfach sein, dass die Gedanken abschweiften. Bei einer so langweiligen Tätigkeit ja auch kein Wunder. :) Was ich sagen will: ggf. ist das auch einfach eine Mischung aus verschiedenen Dingen. Womöglich hast du auch schlicht psychogene Anfälle. Die äußern sich zwar in der Regel eher ähnlich wie Grand-Male-Anfälle, in seltenen Fällen m. W. aber auch wie andere Arten Epileptischer Anfälle. Das ist in der Regel aber nicht mal für Ärzte so eben eindeutig festzustellen.

Um herauszufinden, was bei dir Sache ist, würde sich sicherlich ein stationärer Aufenthalt zur Abklärung anbieten. Wobei das auch ein bisschen abhängig davon ist, wie häufig diese "Zustände" auftreten. Stationär wärst du jedenfalls unter Video-Beobachtung, was den Ärzten schon mal ziemlich hilft, sollte etwas auftreten. Bei einem 48-Stunden-EEG (oder ggf. auch einem Langzeit-EEG) könnte man - sofern diese Absencen auftreten - auch deutlich sehen, ob es sich um eine Epilepsie handelt oder nicht. Dann wüsste man immerhin das schon einmal. Solche Untersuchungen finden in auf Epilepsie spezialisierten Kliniken statt. Sprich vielleicht mal mit deinem Neurologen (oder auch Hausarzt) darüber, was er dazu meint.

Gruß,
Sanktus Achzehn

Hallo Sanktus Achzehn,

vielen Dank für deine ausführliche und hilfreiche Antwort!

Ja, bei mir ist in solchen Situationen immer das Gefühl da gewesen, dass ich mich abwesend gefühlt habe.
Ich selbst sehe mich dabei ja leider nicht. Nur haben Andere mir teilweise eine Rückmeldung gegeben, wie ich mich verhalte.

In meiner Kindheit hat mich meine Mutter desöfteren gefragt, warum ich beim Essen vor mich hinstöhne. Mir war gar nicht bewusst, dass ich irgendwelche Laute von mir gab. Vielleicht habe ich auch hin und wieder über die schlechten Kochkünste meiner Mutter gestöhnt. ;-)
Eine Kollegin hat mich in meinem ersten Job (da war ich Anfang 20) imitiert, weil ich angeblich manchmal kurz die Augen zu einer Seite verdrehte und das bei halb geöffnetem Mund! Echt peinlich.
Mein ehemaliger Vorgesetzter sprach mich einige Male so komisch an, als ich mal mitten im Büro kurze Zeit an einem Fleck stand. Da war mir nicht so richtig bewusst, ob ich gerade weggetreten gewesen war. Jedenfalls fragte er mich, was los sei, ob ich gefallen bin!

Dass das Ganze psychisch bedingt sein könnte, wäre jetzt nicht so von der Hand zu weisen. Immerhin bin ich im Job sehr häufig sehr angespannt.

Eigentlich hatte ich viele Jahre vor der Epilepsie-Diagnose den Verdacht auf ADS. Es passte fast alles. Ich war nicht nur immer schon verträumt und unkonzentriert, sondern auch in Allem sehr langsam und unorganisiert. Ich war auch in zwei Kliniken zur Diagnostik. Der eine Psychiater schloss ADS definitiv aus, da ich im Gespräch so konzentriert gewesen sei. Was ich als Einschätzung etwas dürftig fand. Der andere Psychiater war der Meinung, ADS KÖNNTE vorliegen, er sei sich aber nicht sicher. Die ganzen Fragebögen, die ich hatte ausfüllen müssen, hätten nichts Eindeutiges hergegeben. In den Gesprächen hätte ich mich konzentriert gezeigt, sei aber etwas kindlich rübergekommen.

Ich werde jetzt noch mal eine Diagnostik angehen, habe in einem Monat einen Termin bei einem Neurologen. Vielleicht kann er mich zu einer Klinik überweisen, wo es eine gute neurologische Abteilung gibt.

Liebe Grüße,
Trishka


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