Warum " Outen " sich so wenige

Birte1987, Wednesday, 25.05.2011, 02:42 (vor 5565 Tagen) @ Medo

Hallo!
Die Frage, ob man sich "outen" sollte oder nicht, ist wirklich delikat.
Ich finde es auch schade, dass es als schwierig angesehen wird.

Ich habe bisher keine negativen Erfahrungen gemacht.
In meinem Nebenjob habe ich u.a. mit behinderten Kindern zu tun, bei denen Epilepsie auch ein Thema ist. Daher habe ich in dem Umfeld noch keine Befremdungen gehabt.

Andererseits sagt mein Neurologe mir immer wieder, dass ich meine Epilepsie verschweigen und sogar verleugnen soll - sogar wenn es um offizielle Dinge geht, wie eine berufsärztliche Untersuchung.
Er ist ein renommierter Neurologe in Hamburg. Er gibt mir diesen Ratschlag nach jahrelanger Erfahrung mit Patienten, die immer wieder negative Erfahrungen gehabt haben.
Ich sehe das nicht so. Ich finde auch, das Umfeld sollte vorbereitet sein, für den Fall, dass doch mal etwas passiert, damit sich keiner hilflos fühlt. Für diesen Aspekt ist es nur fair den anderen gegenüber.
Wir leiden ja während(!) des Anfalls nicht bewusst, aber die Anwesenden schon!!

Ich selbst habe es aber häufig als "Stimmungskiller" empfunden, wenn ich davon erzählt habe. Die Leute interessieren sich und stellen Fragen und dann kommt man so ins Reden - manchmal auch von anderen bekannten Fällen und die Stimmung wird eher ruhig und nachdenklich.
Wenn ich also in "lustiger Runde" Alkohol ablehne und die Leute mich darauf ansprechen, vermeide ich es, den Grund zu erklären.
Ich überlege mir aber generell auch, wem ich es erzähle. Das mache ich auch abhängig davon, ob es in der Situation notwendig ist.

Generell denke ich aber auch: Desto mehr die Leute über Epilepsie wissen, umso besser gehen sie damit um und tragen dies auch in ihr Umfeld weiter!

Also "outet" euch, aber mit Vorsicht!

LG


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