persönliche Einschränkungen wegen Epilepsie

mezeg, München, Friday, 08.06.2012, 19:04 (vor 5183 Tagen) @ sandytimmy

Hallo SandyTimmy,

Du sprichst mir aus dem Herzen! Das Risiko andere zu schädigen, sollte man nicht bewußt eingehen. Wie kann man weiter leben, wenn man vier Leute getötet hat, obwohl man ausdrücklich über die Gefahr informiert war? Es ist bestimmt schrecklich genug, jemanden zu verletzten, wenn er selber und alleine die ganze Schuld trägt.

Ja, Mitwissende können sehr belastend sein, wenn sie "alles besser wissen". Meine ältere Tochter (im paramedizinischen Bereich) will mir das Radfahren verbieten, "ich könnte doch in eine Gruppe rasen", sowie das Schwimmen "Jemand könnte versuchen mich zu retten und dabei ertrinken". Mich verletzt besonders, dass sie dabei keineswegs an die Schäden denkt, die ich bei einer solchen Situation davon tragen könnte. Ist doch egal, wenn ich irgendwo in der Einsamkeit in einen Baum rase? Wenn ich auf weiter See von der Oberfläche verschwinde? Solange es für sie keine Kosten und/oder Behördenkram verursacht??

Die Jüngere reagiert umgekehrt, sie hat auch meinen (bis jetzt) letzten GM alleine erlebt. Sehr einfühlsam, wir machen viel zusammen, Kartenspielen, Kino, Shopping. Aber ich habe gemerkt, dass sie trotz scheinbarer Gelassenheit mich genau beobachtet: Ist mehrmals passiert, als wir in der Stadt waren, dass sie mich plötzlich fragt "Bist Du noch da??", bloß weil ich ein paar Sekunden etwas anderes bemerkt oder darüber (ganz normal!) überlegt hat. Allerdings habe ich nun das Gefühl, dass sie sich entspannt und mich nicht mehr so genau beobachtet.

Radfahren lasse ich auf keinem Fall, es ist mir unheimlich wichtig. Und als erfahrene Radlerin kann ich die Situation präzis bewerten, ich fahre seit Ewigkeit und lange vor der Epilepsie nur mit Helm und vermeide hektischen Verkehr. Schwimmen mache ich weiterhin aber nicht in einem Schwimmbad (zu eng!), sondern da wo es Platz - und möglichst keine Leute gibt. Prinzipiell seit immer nur wenn ich richtig Lust dazu habe. Schließlich ist mein Problem nun eine "überhöhte Stressanfälligkeit", Radfahren und Schwimmen gehören zu den besten Antistress-Faktoren. Allerdings die alleinige Verantwortung für jemanden im Schwimmbad will ich nehmen, wer kümmert sich dann um die Kleine, wenn ich untergehe?

Als ich doch das Medikament aufdosieren mußte, habe ich mir aus Trotz ein Bad in der Wanne laufen lassen. Kontrolliert, dass der Schlüssel nicht im Schloß steckt, überlegt, dass ich am nächsten Morgen die Nachbarsjungen zur Schule bringen sollte - die Mutter würde zwar rudern, aber sie hatte das Auto. Uns spätestens am nächsten Abend würde man sich wundern und die Wohnung öffnen lassen. Die Katzen wären maximal 24 Stunden ohne frisches Essen geblieben. Also Folgeschäden minimal halten. Ich war fast enttäuscht, doch aus der Wanne auszusteigen...

Solange man anderen möglichst wenig mit Folgeschäden belasten, dürfen wir dann bewußt Risiken eingehen, die nur uns treffen.

mezeg


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