facharbeit

Tablettenschlucker, Freiburg, Saturday, 15.09.2012, 23:27 (vor 5083 Tagen) @ Laura123

Hallo Laura,

Wenn so eine Diagnose gestellt wird ist der Schock natürlich sehr groß. Da ich zu diesem Zeitpunkt 16 war, bin ich natürlich total auf Konfrontationskurs gegangen. Man will ja auch einfach nur so sein wie die anderen. Jede Party mitmachen, Alkohol mitrinken, einfach dazu gehören. Ich glaube die wenigsten in diesem Alter würde sagen: nein ich darf nicht mein Arzt hat mir davon abgeraten.
Irgendwann kommt dann eine Phase, wo man das einfach akzeptiert, es ist halt so, fertig. Ändern kann man eh nix, also.
Jetzt habe ich eine (hoffentlich auch die letzte) Phase, in der mich alles brennend interessiert. Was hab ich da eigentlich? Kann man doch nix machen oder hilft irgendwas? Sind die Tabletten wirklich gut für mich oder sind die Nebenwirkungen zu stark?

Für meine Familie war und ist es mit Sicherheit auch ein großer Schock gewesen und immer noch da sie meine Anfälle zum Teil auch gesehen haben. und wahnsinnige Angst hatten. Meine Brüder waren bei der Diagnose vielleicht nicht geschock, weil sie damit nichts anfangen konnten. Dafür um so schlimmer als sie den ersten Anfall mit bekamen.
Für meine zwei besten Kumpels war es mit Sicherheit genauso, weil sie meinen allerersten direkt neben sich mitbekamen. Da Ich nur drei wirkliche Freunde habe ist das eigentlich kein großes Problem. Die zwei haben bis jetzt keinen mehr mitbekommen und meine beste Freundin ist Sonderschullehrerin. Da haben viele von ihren Schülern auch Epilepsie.
Bei anderen Leuten rede ich sehr offen darüber. Ich brauch mich deshalb nicht verstecken. Wenn man genauer hinschaut haben viele Leute auch Probleme. Eine junge Lady die Spendenverträge sammelte sprach mich darauf an. War eine ganz nette und interessante Unterhaltung. Mittendrin meinte sie, das sie den linken Fuß komplett wegeneiner angeborenen Fehlstellung mit Stangen gerichtet hätte. Es gibt viele Menschen die ähnlich Erfahrungen machen müssen.

Zur letzten Frage. Natürlich sollte man als Epileptiker auf manches in seinem Leben achten. Die Klassiker sind natürlich kein Alkohol, keine Disco (Stroboskoplicht), kein Schlafmangel und ein möglichst geregelten Tagesablauf. Alkohol habe ich wie oben erwähnt früher genauso ges...trunken, wie alle andern. Jetzt gehe ich mit meinen Leuten lieber in irgendeine Lounge trinke einen guten Wein und chille ein bisschen und unterhalte mich. Meinen Beruf konnte ich bisher immer ausführen, aufgrund einer anfallsbedingten Verletzung, ist das jetzt anders. Muss jetzt eine Umschulung machen.
Ich war nie eine Sportskanone, aber passionierter Kletterer. Ich war früher Sportklettern, also mit Seil senkrecht eine Wand hoch und das Seil selbst mitnehmen. Und Bergsteigen bin 2.500m üMS. (400m senkrechte Wand:-D) und das alles mit Epilepsie. Jetzt habe ich mir eine Schulter gebrochen (eben wegen EPI) und aus ist`s. Man hat als Epileptiker vielleicht so manche Einschränkung, man hat aber auch nur dieses eine Leben. Entweder man erLEBT was, oder nicht.

So ich denke der Aufsatz genügt erst mal:-D, falls di noch etwas wissen möchtest, denke ich das dir viele hier helfen können und werden.

Liebe Grüße
Lukas


gesamter Thread: