Epilepsie, psychische Erkrankung und Drogen

huge88, Großraum Nürnberg/Fürth/Erlangen, Saturday, 26.01.2013, 19:51 (vor 4950 Tagen) @ supra30m

Hi!

Erst einmal zu Deinen Fragen:

Gibt es Gründe (z.B. Potenzschwäche, Gewichtszunahme, etc.), warum ein Epilepsiekranker seine wichtigen Medikamente nicht nimmt und damit bewußt Anfälle in Kauf nimmt?

Gründe dafür gibt es so viele am Sand am Meer. Negative Erfahrungen mit den Medikamenten können genauso eine Ursache sein, wie das Gefühl, dass diese gar nichts bewirken würden(die Suche nach dem passenden Antiepileptikum in der richtigen Dosierung kann für manche langwierig und mit vielen Rückschlägen verbunden sein). Oder es kann auch sein, dass man sich irgendwie gesünder fühlt, wenn man keine Tabletten nimmt, weil man Tablettenschlucken mit krank sein verbindet und sich selbst gerne als Kerngesund sehen würde. Oder er verbindet damit irgendeinen blöden Kommentar von jemanden.
Im Endeffekt glaube ich, dass sich die Gründe nicht sehr von den Tausenden unterscheiden, aus denen manche Herzkranke ihre Medikamente nicht nehmen oder manche Krebspatienten eine Therapie abbrechen. Hört sich vielleicht hart an, aber ich denke, da gibt es keine großen Unterschiede zu uns.

An welche Art von Arzt kann man sich wenden, der die Komplexität "Drogen, Epilepsie und psychische Erkrankung" überblicken kann?

Es gibt sogenannte Epilepsiezentren, wo er Epileptologen aufsuchen könnte. Hier findest Du eine Liste: http://www.dgfe.info/home/index,id,47,selid,95,type,VAL_MEMO.html Die haben mehr Fachwissen als die meisten Neurologen und auch mehr Erfahrung mit komplizierteren Fällen.
Im Fall Deines Sohnes denke ich, wäre vielleicht eine stationäre Neueinstellung und vielleicht auch vorübergehende stationäre Unterbringung zur psychologischen Behandlung hilfreich. Wenn er dadurch ordentlich eingestellt wird, erst einmal einige Zeit von den Drogen wegkommt und jemand aufpasst, dass er seine Medikamente regelmäßig nimmt und sich dadurch seine Anfallssituation deutlich verbessert, könnte das alleine ein Impuls für ihn sein, seine Medikamente später selbst regelmäßig zu nehmen.

Unterstützend gibt es auch noch von diversen Organisationen und Verbänden psychosoziale Beratungsstellen, die immer ein offenes Ohr haben und allerlei Hilfsangebote vermitteln können.


So, jetzt hänge ich noch ein paar Fragen und Kommentare an. Du musst sie nicht beantworten, wenn Du das für Dich behalten willst. Ich stelle nur gerne viele Fragen, weil das für mich hilfreich ist, um andere Fragen zu beantworten und ein besseres Verständnis für die Situation zu entwickeln. Immerhin hat jeder seine eigene Epilepsie und eigene damit einhergehende Probleme.

Mein Sohn ist ein normal intelligenter Mann

Warum kommst Du ausgerechnet auf die Intelligenz zu sprechen? Epilepsie hat ja nix mit dumm sein oder so zu tun.

pfeift sich aber ab und zu Drogen rein

Nur zum Verständnis, weil Drogen ja ein recht weitreichender Begriff ist und für jeden da die Grenze woanders anfängt: Wir reden hier nicht "nur" über Alkohol oder Zigaretten, was bei manchen alleine schon problematisch und stark anfallsfördernd ist, sondern harte Sachen(denke da z.B. an Kokain)?
Kann es sein, dass Dein Sohn irgendwelche Berichte von Studien aufgeschnappt hat, in denen versucht wurde, gewisse harte Drogen oder deren Inhaltsstoffe zur Behandlung von Epilepsie zu erproben? Ich denke da z.B. an eine Studie, von der ich einmal im Fernsehen gehört hab, in der man Tourette-Patienten versuchte, mit Cannabinoiden zu behandeln.

auf eine psychische Erkrankung, die er hat

Worum handelt es sich denn? Vielleicht lässt sich da ja auch ein Mitgrund finden, weshalb er seine Tabletten nicht nimmt?

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Das ist der Weisheit letzter Schluss:
Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,
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Johann Wolfgang Goethe - Faust, der Tragödie zweiter Teil


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