Epileptiker wollen nicht als Epileptiker bezeichnet werden??

mezeg, München, Saturday, 24.08.2013, 11:24 (vor 4740 Tagen) @ beatmeup

Hallo Beatmeup,

das Allerwichtigste - wie Du sagst - ist das Arzt-Patient-Verhältnis. Als ich mit der Situation vollkommen überraschend / erschreckend konfrontiert wurde und zu diesem Unbekannten ging, war seine Reaktion für mich ideal. Ruhig, freundlich, gleichwohl Sicherheit ausstrahlend: "Sie haben ein Problem? Das schauen wir uns an, kriegen wir schon hin."

Natürlich kam die "Liste". Seinen ersten Bericht habe ich nie gelesen - muß mir eine Kopie von der Hausärztin geben lassen -, sein Verhalten war wie in den folgenden Berichten: ich wurde "aufgeklärt", also auf die Gefahren hingewiesen. Richtig verboten war nur Auto fahren - richtig, damit könnte ich andere gefährden. Radfahren: wenn mit Helm und abseits starkem Verkehr machbar. Auf meine Frage, ob ich wie üblich und geplant, eine Radtour leiten kann, war es zuerst nein. Als ich erwähnte, daß ich immer mit einem Co-Pilot radelte, war er zuerst kategorisch dagegen, er glaubte, daß ich Tandem fuhr und so meinen Co-Pilot zum Sturz bringen könnte. Aber mit einem Co-Pilot am Ende der Gruppe, der sie notfalls übernehmen kann, sei dann nur mein persönliches Problem.

Das Krankenhaus verbat mir KFZ wie Rad, zehn Tage vor der OP wegen Hirnhaut-Tumor verständlich. Im freundlichen Ton, zwei der Ärzte sind außerdem Radfahrer. Nach der OP stand nur Auto-Verbot in den nächsten Monaten.

Sechs Wochen nach der OP fragte ich den Neurologen wegen Radfahrens. Er war zuerst zögerlich, als ich aber sagte, es ging zuerst nur um Runde im Wald ohne Autoverkehr - und immer mit Helm - hatte er nichts mehr dagegen.

Das einzige, was als "Verbot" bleibt, ist Auto fahren. Sonst steht es in den Berichten: "über die Notwendigkeit zur Einhaltung von Vorsichtsmaßnahmen im Alltag einschließlich bei Benutzung einer Badewanne" - vom Atlantik schwimmen hat er nicht gesprochen :-D :-D :-D - "ist die Patientin sehr gut aufgeklärt".

Also verboten ist, was andere gefährden könnte. Über die Risiken, die nur mich treffen, weiß ich Bescheid, was ich davon in Kauf nehme, ist einzig und alleine meine Verantwortung, es trifft nur mich.

Eben aufgeklärt.

So verstehe ich die Sache. Als Laie - und gute Schwimmerin - hätte ich nie damit gerechnet in einer Badewanne zu ertrinken! Also gut, daß er es mir gesagt hat. Im Atlantik untergehen hätte wenigstens Stil! Familie und Freunde hatte ich aber ausdrücklich informiert, daß er mich unmißverständlich auf die Gefahr hingewiesen hatte. Sollen doch nicht auf seine Kosten Schmerzensgeld aus meiner eigenenen eigenwilligen Entscheidung rausholen.

Richtig entschieden - damals nicht einmal kategorisch-brutal - war er nur, als es darum ging, mich zur OP zu überzeugen und dies auch noch sofort. Blieb ruhig-freundlich, ließ aber nicht locker aber es war ein Gespräch auf Augenhöhe.

Ich weiß, welches Glück ich habe. Schwierig mich bei ihm direkt zu bedanken, bei aller Einfühlsamkeit steht er hinter einer Schutzscheibe. Ihmm direkt gegenüber wollte ich es nicht, als wir aber vor kurzem nebeneinander aus seinem Zimmer gingen, war es die Gelegenheit zu sagen: "Ich bin froh, daß ich Sie zur richtigen Zeit gefunden habe." Dürfte wie gewünscht gewirkt haben.

Ich brauche ihn jetzt wohl nur noch zum Quartal-Rezept, zu wissen aber, wo im Notfall Hilfe zu finden ist, entspannt unheimlich ins normale Leben!

Und er wäre wohl der Einzige, der mich vom Fahradsattel runterholen könnte, weil ich ihm vertraue. Ich hoffe nur, er wird es nie als notwendig halten.

Die Ärzte im KKH waren jeder für sich anders aber doch nach dem Muster gestrickt. Das macht alles so leichter. Von meinem Chirurg der Satz "Die Rolle der Lebensqualität darf nicht unterschätzt werden" ist Musik in meinen Ohren.

Viele Grüße

mezeg

P.S. und jetzt nütze ich das noch schöne Wetter um im Wald zu radeln!


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