Meine Leidensgeschichte mit Keppra (Levitracetam)

Tessero, Friday, 01.01.2016, 12:54 (vor 3882 Tagen) @ Green

Guten Tag Green

Vorerst mal wünsche ich ein gutes Neues Jahr!

Vielleicht noch etwas zu meiner Historie bezüglich Epilepsie: Vergangenen November vor 20 Jahren hatte ich beim Frühstücken ein echt komisches Gefühl im Kopf. Erst fühlte es sich friedvoll an, bis ich dann in den Zustand versetzt wurde, in welchem ich zwar alles hörte, jedoch kein Wort verstand, was gesprochen wurde. Ein Dämmerzustand. Ein Monat später kam dann der grosse, (zum Glück) einmalige Anfall. Im Spital stellten die Ärzte fest, dass dies von einer Übermüdung herrührte. Ich schlief aus beruflichen Gründen täglich maximal 4 - 6 Stunden... Und nach dem Spitalaufenthalt erhielt ich dann Keppra und Tegretol verschrieben. Bis vor Einnahme dieser Medikamente hatte mir meine vorangegangene Frau nie gesagt, ich sei aggressiv, hätte Wutausbrüche, hätte enorme Ängste (vor allem Verlustängste), Stimmungsschwankungen und depressions-ähnliche Zustände etc. Im Gegenteil! Als ich ein Jahr nach der ersten Medikamenteneinnahme wieder eine Frau kennen lernte, war ich erstaunt, als sie eben diese Nebenwirkungen an mir spürte / feststellte. Ich konnte dies nicht glauben - für mich war alles so, wie es immer war. Und genau das ist das Verrückte: Ich habe den Moment der Angst- und Wutausbrüche nie realisiert. Mir wurden diese später vorgehalten - aber ich konnte mich nicht daran erinnern. Ich entschuldigte mich bei Mitmenschen für Sachen, von denen ich gar nicht wusste. Wenn meine (hoffentlich noch aktuelle) Lebenspartnerin mit einer Freundin ins Kino gehen wollte, bekam ich dermassen Angstzustände, dass ich am ganzen Körper Schweissausbrüche hatte, zitterte, Wutausbrüche hatte und sehr verängstigend in die Welt guckte. So richtig angsteinflössend war ich... Ich stellte erst nach einer gewissen Zeit fest, dass irgend etwas mit mir passierte, denn ich war ja vollgeschwitzt...
Dämmerzustände hatte ich so im Schnitt 4 -6 pro Jahr. Meistens in den warmen Jahreszeiten und - wie immer - beim Essen. Einen solchen Zusammenhang versteht bis heute noch kein Arzt. Aber so ist es nun einmal. Bei zwei Anfällen wurde mir schwarz vor den Augen und ich wurde ohnmächtig.

Im November 2014 ordnete mein Neurologe die zwingende und dringende Absetzung von Keppra an. Der Neurologe packte mich am Kragen (ja, das tat er) und fragte mich, warum ich nicht schon früher gekommen sei: Wer Keppra nicht verträgt, der ist bestraft, ein armer Kerl, so mein Arzt. Eine Medikamenten-Änderung sei überhaupt kein Problem. Und das Beziehungsproblem hätte auch gelöst oder schrittweise gedämpft werden können - vorausgesetzt das Verständnis und die Unterstützung der Lebenspartnerin, da die Veränderung ja nicht heute auf morgen eintritt.

Er verschrieb mir Lamotrin-Mepha. Vorerst verschrieb er mit täglich 200 mg. Da ich jedoch am Ostermontag einen Dämmerzustand hatte (beim Mittagessen...!), hob er die Dosies auf täglich 400 mg. Die Einnahme von Tegretol habe wir beibehalten (1 mg pro Tag).
Seither hatte ich keine Dämmerzustände mehr, fühle mich wie neu geboren. Ob meine andauernde Müdigkeit nun von einem der beiden Medikamente herrührt - und von welchem -, sei nun mal dahingestellt. Auffallend jedoch ist, dass meine Konzentration zugenommen hat, dass ich mich körperlich und geistig vitaler fühle. Meine Mitmenschen - im Büro wie auch im Privaten - haben mich sehr bald darauf angesprochen, dass sie festgestellt hätten, dass ich mich (positiv!!!) verändert habe. Ich sei ruhiger, bedachter, ausgeglichener und es bestünden keine Stimmungsschwankungen, keine Ausbrüche wie Angst, Wut oder gar aggressiven Verhaltens. Das ist schon mal ein neues Lebensgefühl!!

Andere / neue Nebenwirkungen? Kann ich nicht sagen, zumal sich bei körperlichen Nebenwirkungen nichts oder nicht viel geändert hat: Gelenkschmerzen (vor allem Knie) und Gleichgewichtsprobleme. Bezüglich den Gelenkschmerzen muss ich vorsichtig sein in der Argumentation resp. Zuordnung zu möglichen Antiepileptika, denn diese Probleme können auch vom Sport und Militär (Miliz) herrühren...

Wie steht es bei Ihnen? Nehmen Sie noch Keppra ein? Oder ein anderes / neues Medikament und wie geht es Ihnen damit?

Beste Grüsse Tessero


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