Schlaf-Grand-Mal-Anfälle / Nebenwirkungen Carbamazepin

dom, Sunday, 06.11.2016, 14:35 (vor 3569 Tagen)

Hallo Zusammen,

Nach bisheriger Verdrängung meiner Erkrankung an Epilepsie, habe ich mich in den letzten Wochen zunehmend mit dem Thema auseinandergesetzt.
Grund hierfür war, dass ich mich nach einer verpassten Einnahme meiner Medikamente, zwar ohne Anfallsfolgen, aber mit darauf folgenden Auswirkungen auf meinen Bewusstseinszustand zunehmend wieder dafür interessiert habe und durch Recherchen einige ungelöste Fragen aufkamen. Hierzu im Laufe des Textes mehr.

Ich hoffe nun, dass sich auf dem Weg des Erfahrungsaustausches über das Epilepsie-Forum, offene Fragen klären lassen.

Zunächst zum Krankheitsverlauf:
Ich erkrankte im Alter von 12 Jahren an Epilepsie, die sich durch nächtliche Grand-Mal-Anfälle während des Schlafes bemerkbar machten. Die Anfälle kündigten sich durch
eine Aura(demnach eigentlich fokale und sekundär generalisierte Anfälle) an. Verletzungen erlitt ich bei den Anfällen nie, was vermutlich der Aura zu verdanken ist. Zudem gab es während der Anfälle, bis auf die Ohnmacht danach, keinen Bewusstseinsverlust. Ganz im Gegenteil, war ich immer bei vollem Bewusstsein und konnte mich hinterher an alles erinnern. Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang vielleicht auch, dass ich während der Anfälle häufig out-of-body Erfahrungen gemacht habe. Ein Aspekt, der vielleicht mit der Epilepsie zusammenhängt, ist der, dass bei mir manchmal vor dem einschlafen oder aufwachen Schlaflähmungen auftreten.
Eine eindeutige Diagnose konnte damals bis heute nie gestellt werden, da die EEG´s unauffällig waren und die Anfälle ausnahmslos während des Schlafes vorkamen, schien dies zu kompliziert. Kopfverletzungen und Vererbungen etc. konnten zudem ausgeschlossen werden. Vermutlich hat die Beschreibung des Anfallablaufs damals auch ausgereicht um die richtigen Medikamente zu verordnen und es bestand daraufhin keine Notwendigkeit mehr für ein ausfindig machen der Ursache.
Damals war ich vielleicht zu jung um mich selbst dafür zu interessieren und vermutlich auch nicht in der Lage mich in diese komplexen Vorgänge einzudenken. Schließlich gab es nach erfolgreicher medikamentöser Behandlung mit Carbamazepin hierfür auch weniger Gründe. Ich war nach der Einstellung mit Carbamazepin bis auf zwei Ausnahmen, die letzte vor ca. 10 Jahren, anfallsfrei.
Soziale Probleme die mit der Erkrankung und/oder den Nebenwirkungen der Medikamente mit einhergingen wurden damals, soweit jedenfalls die Erinnerung, eher der Pubertät zugeschrieben. Als Kind scheint man da wahrscheinlich eher die Meinung von Ärzten, Lehrern und Eltern anzuerkennen und versucht das weniger selbst zu begreifen und Ursachen zu hinterfragen. Mitte der 90er Jahre kannte man sich mit den psychischen Nebenwirkungen bzw. Folgeerkrankungen auch noch nicht so aus wie heute. Diese wurden wohl weitestgehend ignoriert und anderen Ursachen zugeschrieben.
Zudem scheint man durch die Angewohnheit über 20 Jahre der Einnahme den Unterschied auch nicht mehr zu kennen und man versucht sich weitestgehend zu akzeptiert wie man eben ist. Außerdem konnte ich mein Leben weitestgehend normal führen, ohne wieder Anfälle zu bekommen. D.h. ich trinke beispielsweise Alkohol und kann auch mal weniger oder gar nicht schlafen. Mein Leben ist demnach weitestgehend frei von Einschränkungen und führte dazu, dass ich die Epilepsie weitestgehend ignoriert habe und das obwohl ich beim Ausbruch der Epilepsie fast jede Nacht einen Anfall hatte und nur eine geringe Dosis Carbamazepin (Anfangs 100 mg, Jahre später nach einem weiteren Anfall wurde diese auf 200 mg erhöht) nehmen muss.

Vor einigen Wochen vergas ich schließlich die Medikamente vor einer Übernachtung außer Haus mitzunehmen und machte die Erfahrung, wie es sich Anfühlt, wenn diese Medikamente nicht mehr wirken. Diese Gefühle äußerten sich in einem starken Ausbruch von Emotionen. Zudem konnte ich Faktoren meiner Umwelt wie Licht, Luft, Geräusche, Düfte etc. viel deutlicher, am ehesten vergleichbar mit einem Gefühl der Erfrischung, wahrnehmen. Vergleichbar, aber intensiver war das Gefühl, das ich früher auch am Tag nach einem Anfall hatte. Jedenfalls waren mir dieses Gefühle bis dahin fremd bzw. in meiner Erinnerung nicht mehr vorhanden. Offenbar habe ich mich an ein weitestgehend emotionsloses Leben gewöhnt. ...

weiter gehts im folgenden Thread


gesamter Thread: