Re: Re: Re: Re: Grand Mal - geht es ohne Medikamente??

Kati @, Sunday, 11.06.2006, 21:07 (vor 7376 Tagen) @ Sonni

Hi!
Bei mir war das vor sechs Jahren so, dass ein Arzt mir empfohlen hat, Medikamente zu nehmen, ein anderer meinte, dass er es auch verstehen würde, wenn ich erstmal keine Langzeitmedikation anfangen möchte. Ich war etwas überfordert muss ich zugeben, hatte ja kaum Ahnung von dieser Erkrankung. Nach Informationssuche bei verschiedenen Stellen habe ich mich dann gegen Medis entschieden. Weiß bis heute nicht, ob das gut oder schlecht war, ich hab's ausprobiert und mich jetzt ja entschieden, mich doch einstellen zu lassen.
Die Frage wegen deines ersten Anfalls kann ich dir nicht beantworten, normalerweise sagt man, dass ein Anfall, für den man einen Auslöser ohne Wenn und Aber festmachen kann, ein provozierter Anfall also, auch ein einmaliger Anfall sein kann und nicht zwingend der Beginn einer Epilepsie sein muss. Da ja bei dir aber nun ein zweiter aufgetreten ist, kann es schon sein, dass das damals der Beginn war. Ehrlich gesagt hab ich keine Ahnung und ich denke, dass dir da auch keiner eine wirklich eindeutige Auskunft geben kann...
Meine Anfälle kommen sehr unregelmäßig, zwischen meinem allerersten Anfall und meinem zweiten lag auch über ein Jahr, den ersten hat man auch damals gar nicht als solchen erkannt. Manchmal hab ich dann ein halbes Jahr oder so gar nix gehabt, dann wieder zwei oder drei in einem Monat, das war immer so ein Auf und Ab. Wie schon gesagt hab ich ja eine Aura vorher, die man sehr schwierig beschreiben kann, Denkprobleme, Verstehensprobleme, Konzentrationsprobleme... Das ganze geht meistens so zwei Stunden, worüber ich sehr froh bin, da das ja nicht so häufig vorkommt. Oft ist es aber so, dass ich es am Anfang erst nicht registriere, dann ignoriere und dann ist es oft schon zu spät. Diazepam ist ein Beruhigungsmittel, das mir in solchen Situationen helfen kann, wenn ich es halt rechtzeitig nehme und nicht dauernd denke, dass ich es auch ohne schaffe... Es hat eine sedierende Wirkung, d.h. es macht oft sehr müde und irgendwie etwas "verpeilt". Allerdings kann es auch abhängig machen, wenn man es zu häufig nimmt.
Das mit der Krampfbereitschaft war etwas missverständlich, sorry. Wollte damit sagen, dass es Meinungen wie die deines Neurologen gibt, nämlich dass es sein kann, dass unbehandelte Anfälle zu immer mehr Anfällen führen können. Ob ein Anfall nun schädlicher ist als die Medikamente, ist unterschiedlich. Da kommt es wieder auf die Stärke, die Art und auch die Häufigkeit der Anfälle drauf an. Nach neueren Studien geht man davon aus, dass ein Grand-Mal-Anfall weniger Nervenzellen zerstört als ein Alkoholrausch. Allerdings ist es wirklich nicht so gut für das Gehirn, wenn mehrere auftreten. Wenn sie aber nicht so häufig sind, hat das keine nach außen hin bemerkbare Auswirkungen.
Mein Neurologe sagte mir auch, dass man nach ca. drei Jahren überlegen könnte, ob man das Medikament ausschleicht. Er meinte, dass man das dann aber nochmal überprüfen müsste und wirklich ganz genau die Vor- und Nachteile abwägen müsste. Rebound-Anfälle sind Anfälle, die auftreten können, nachdem die Medikamente abgesetzt worden sind oder gerade "ausgeschlichen" werden. Das ist dann natürich, um's mal direkt zu sagen, scheiße. Kann, muss aber nicht sein.
So, jetzt beende ich meinen Roman mal ;-), wenn du noch irgendwelche Fragen hast, kannst dich ja melden. Ansonsten wünsch ich dir alles Gute und trau dich ruhig, deinen Neurologen "auszuquetschen", wenn dir irgendwas unklar ist, dafür ist er ja da.
Liebe Grüße! Kati


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