Wortfindungsstörung und... Selbstbewußtsein
durch die Tumor und nun durch die OP-Narbe hatte ich schon mehrfach Probleme mit der Wortfindung, es wurde sowieso in der Nähe des Sprachzentrums geschnipselt.
Meist ist es so, daß ich stottere oder stammle, in die gewünschte Sprache nur mit Mühe zurückfinde oder die von mir gesuchten Wörter zwar "fühle" aber nicht ausdrücken kann. Einmal (bis jetzt einmalig) nahm ich ein Buch, um mich von der Unruhe einer Aura abzulenken und konnte etwa 10 Mn lang nicht nur nicht verstehen, sondern die Wörter einfach nicht lesen, alles war unförmig, ich nahm nur hier und da einzelne Buchstaben am Ende von einem Wort wahr. 10 Mn später konnte ich wieder mühelos englisch reden.
Ich versuche jedesmal verzweifelt, meine Sprachunfähigkeit zu kaschieren, die Mehrsprachigkeit ist eine glaubhafte Ausrede, wer mich aber näher kennt, fällt nicht rein. So passierte es in einem Gespräch mit einem langjährigen Radlerfreund. Er reagiert aber freundlich-gelassen: "Laß Dir Zeit! Es ändert doch nichts!"
Und gestern beim Italienisch-Kurs wieder das Problem und sogar in einer anderen Form. Die Dozentin sprach - lebhaft wie immer - ich spürte 2 "verschwommene Erinnerungen" (oder vielleicht was man als déjà-vu nennt?) hintereinander und ich konnte auf einmal kein Wort mehr verstehen. Dabei kann ich Italienisch fließend und unbekannte Wörter finde ich aus dem Kontext oder aus dem Französisch raus. Und es ging nicht um Wörter: Sie "sprach" plötzlich etwas unverständliches, nun einen "unförmigen Klang", ich konnte nur hier und da eine Silbe am Ende eines Wortes schnappen. Ich glaube, wenn Chinesisch gesprochen wird, könnte ich "im Normalzustand" eher Tönen aufnehmen als in dieser undefinierbaren Wortmasse.
Bis vor kurzem hätte so eine Situation für mich Panik ausgelöst: Was mache ich, wenn ich plötzlich angesprochen werde? Wenn ich Bezug auf das gerade gesprochene nehmen muß??
Wie kann ich meine Epilepsie-Probleme kaschieren?
Aber durch das Erlebnis mit dem Radlerfreund hatte ich angefangen, darüber zu sprechen. Und in dieser Italienisch-Runde hatte ich es erwähnt, es kam zu einer freundlichen, interessierten, einfühlsamen wie sachlichen Diskussion.
So habe ich mich gestern gründlich geärgert, daß eine Aura wiederkommt, wo ich doch so hoffe, daß sie blasser und selterner werden. Aber Panik, daß ich auffallen könnte, hatte ich nicht. Auch wenn ich angesprochen worden wäre. Ich hätte bloß ein Zeichen machen müssen und sie hätten wohl verstanden und mich in wohlwollender Ruhe gelassen.
Hat mir den "Luxus" erlaubt, das Phänomen sachlich zu beobachten. Das Gesprochene konnte ich partout nicht identifizieren aber denken konnte ich vollkommen normal. "Wieviele Sätze sagt sie noch, bis ich sie verstehen kann?" Irgendwie rational, nicht beunruhigt.
Übelkeit und Müdigkeit waren schon dabei und ich hatte vor der Rückfahrt auf dem Rad etwas Angst. Ich konnte aber sicher lenken, sowie Weg, Hindernisse und Problempunkten richtig bewerten. Als ich aber nach Hause kam, sah mir die Tochter das Problem im Gesicht.
Es war aber für mich ein richtiger Schritt, um mich wegen der Epilepsie nicht mehr so zu verstecken. Die Familie akzeptiert es nicht und verlangt von mir "normales Verhalten"
aber mit "Fremden" geht es viel leichter!
mezeg
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mezeg,
09.10.2012, 20:12
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