Gedächtnislücken (bin neu hier)

mezeg, München, Tuesday, 02.06.2015, 10:59 (vor 4093 Tagen) @ Herzmensch

Hallo Herzmensch,

zuest willkommen hier, wir tauschen viele wertvolle Informationen untereinander.

Meine GM-Anfälle vor der OP (walnuß-großes Meningeom - gutartig aber "raumfordernd und mit WachstumtendenzW - erfolgten nur nachts im Schlaf. Ich erwachte aber immer aus einem "dunklen Schlaf", vielleicht eben eine Art von Bewußtlosigkeit.

Nach der erfolgreichen OP kamen wieder GM-Anfälle, die innere Narbe stört wohl. Dann nur tagsüber - nur zu Hause, wenn ich es mir leisten konnte und nach einer starken Stresssituation.

Für die Zeit kurz vor dem Anfall habe ich ausgesprochen scharfe Erinnerungen, fast "eingebrannt". Dann absolute Bewußtlosigkeit, obwohl ich immer selbständig und ohne irgendwo anzustossen ins Bett ging. Nur bei der zweiten wohl ein kurzes Aufflammen: Mein Kater im Koriddor, der mich irgendwie befremdet anschaute. Bin danach zur Toilette gegangen, alles ordnungsgemäß, nur an einem kleinen Detail habe ich es nachher festgestellt.

Beim dritten Mal war eine Tochter dabei. Ich soll Unsinne geredet haben, sie sprach von Kartoffelsorte - war gerade dabei welche zu essen, das "sehe" ich sehr klar -, ich antworte mit Hartz IV!. Ausdruckslose offene Augen. Sie versuchte mit einem kurzen Stag mich an Zungen beißen zu hindern, kam wohl etwas zu nahe an der Wange - sie schmerzete danach etwas an der Stelle - , ich soll "bewußtlos" die Störung angedeutet haben. Die gerufenen Sanitäter trugen mich ins Wohnzimmer, da sagt die Tochter, daß die Lichtverhältnisse mich wohl gestört haben und daß ich es "signalisiert" habe. Davor weiß ich nicht.

Das Bewußtsein kam bei mir wie auf Schalterdruck, die Töchter sagten, meine "leeren" Augen hätten schlagartig einen richtigen Ausdruck. Ich konnte sofort die Lage einschätzen, sonderbares Licht - Rollo runter -, Anwesenheit der anderen Tochter - die nicht anwesend sein und beide verstehen sich auch nicht -, an deren Anzeichen Gruppe der Sanitäter, Beatmungsgerät - wieso, ich brauche es doch nicht. etc. Davon sehr klare Erinnerung. Wollte die Einweisung ins Krankenhaus verhindern. Ich wußte, daß ich eben doch auf die verschriebene Dosis ordnungsgemäß hoch schalten mußte - ich wollte auf halber Dosis bleiben, und einfach ins Bett gehen und schlafen. Klar denken aber eine kurze Zeit unfähig mich in Worten auszudrücken. Zu müde auch, um mich effizient - und richtig - gegen die Einweisung zu wehren.

Im Zanka klopfte der GM mit androhter Übelkeit wieder an, der Sanitäter wollte mir eine Brechschale reichen, ich sagte ihm es soll was harmloses erzählen, um mich abzulenken. Dies machte er perfekt: redete über seine Erlebnisse als Tourist in Paris, ich konnte mich in das Gespräch einhacken und das war.

Also vor und nach dem GM tsgsüber sehr deutliche Erinnerungen bis zur vollkommen leeren Seite, abruptes Wechseln zwischen beiden.

Ich nehme nun nach ein Bißchen rantasten Lamotrigin 100 - 0 - 125 am Tag. Die kleinen restlichen Störunten - meist Aphasie - werden immer seltener und blasser, keinen GM mehr seit nun 3 1/2 Jahren.

Ich glaube nun, die beste Medikation für mich war die Akzeptanz der Situation - wurde mit 53 Jahren damit konfrontiert - und etwas Abstand von Reizrisiko, für mich u.A. emotionales Streß wie heftigem Wortschall worauf ich mich auch noch konzentrieren muß, weil eine Antwort meinerseits erwartet / verlangt wird. Die "Vorstube" des Denkvermögens in Worten ist wohl etwas schneller voll. Nicht so hektisch-laut und ich nehme auch sehr komplexen Denkvorgänge wahr. Also notfalls auf niedrigere Lautstärke und wenig Hektigkeit bestehen. Mit der Gestik kann ich mich auf jedem Fall immer gut ausdrücken

Warte möglich entspannt auf die Diagnose des Neurologen, oft gibt es doch Möglichkeit das "Ding" loszuwerden und wenn nicht wirksame Hilfsmittel. Aber Geduld muß man schon investieren.

Alles Gute

mezeg


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