Re: bin epileptiker

Matthias @, Monday, 27.11.2006, 10:54 (vor 7208 Tagen) @ monika freund

Hallo Monika,
das Wichtigste ist erst mal, dass Du damit zu Leben lernst. – Das bedeutet in erster Linie, dass Du damit auch nach Außen hin offen umgehen lernen musst. – Wenn Du mit Jedem darüber Reden lernst, wirst Du Dir auch viel leichter tun. – Deppen gibt es immer und die lernt man da dann auch schnell kennen und kann einen Bogen um die Typen herum machen. – Das gilt auch für „Scheinfreundschaften“, die Du damit auch kennen lernen kannst, wie sie mit Dir eben jetzt umgehen und wie sie sich Dir eben anpassen. – Das geht aber nur, wenn man eben offen damit umgeht. – Ich rate Jedem, sich einen behinderten Bekannten zu Suchen und vielleicht einen noch mehr Behinderten. – Mit dem kann man offener umgehen und auch Grenzen und Umgang kennen lernen und denkt nicht nur an den nächsten, möglichen Anfall, sondern sieht auch praxisnahe Vergleiche, die kein Buch und kein Film ersetzen kann. – Ausstellungen oder kleine Veranstaltungen können da gute Möglichkeiten für solche Bekanntschaften bieten. Wo ein Wille da ein Weg und wenn Du den Mut zum Ansprechen hast, dann wird das auch das entsprechende echo mit sich bringen, sofern Du eben auch wirklich offen aus Dir raus gibst- oder geben willst. – Gerade wirklich Behinderte, wie z. B. ein(e) Blinde(r) hat dafür ein unheimlich gutes Gespür und der wird auch kein Problem mit einem Epileptiker haben, über dessen Probleme zu Plaudern.

Da Du auf dem Weg zur Arbeit warst, ist es auch sinnvoll, mit dem AG darüber offen zu Reden. – Er wird Dir einen Termin dafür geben und dann kann nicht mehr tun, als Dir rausschmeißen. – Wenn er Dich rausschmeißen sollte, dann kannst Du ihm noch eine anfallsfreie Zeit wünschen und dass es auch in seiner Familie niemals einen Behinderten geben solle, weil er genau der Richtige wäre, der diese Person dann gerecht behandeln würde. – Ich tät’s jedenfalls machen.
Und in dem Fall bist Du doch wohl aus dem Betrieb weg. – Wenn er aber vernünftig ist, wird er damit leben und Dich entsprechend behandeln- oder gezielter einteilen. Es gibt Betriebe, deren Obrigkeiten dafür offen sind, weil sie eventuell selbst jemanden in der Familie- oder der Verwandtschaft haben, der auch einen Schuss weg hat und dann sehen sie das Problem eben auch aus einen anderen Seite her.
Gegen das Trauma kannst Du schon mal über die letzten Abschnitte weiter kommen und einen weiteren Teil kann Dir Deine Familie und Dein Freund / Deine Freundin helfen. Du kannst auch mal in der Web-Seite nach der nächstliegenden Selbsthilfegruppe schauen- oder suchen und mal dort über den nächsten Termin fragen, damit Du siehst, dass es mehr so Fälle- und eventuell auch härtere Fälle gibt. – Gerade jetzt wäre das sehr gut, weil demnächst die Weihnachtsfeiern sind und da lernst Du fast alle Mitglieder auf Einmal kennen, weil sonst nicht immer Alle anwesend sind.
Mit der Angst musst Du Leben lernen und nur guter Hoffnung sein, dass Dir nicht viel bei einem Anfall passiert. – Das wiederum hast Du ja gesehen, als es passiert ist. – Geh’ da mal genau durch, was los war und was vielleicht Probleme sein könnten und worauf Du eben gezielt aufpassen- und Dich jetzt eben entsprechend anpassen musst. – Das gilt auch für Deine Freizeitgestaltung im Bereich Sport oder Verkehr und nicht nur für Disco und sonstige Feiern oder Feten. Ich musste mich schon ab der Schulzeit entsprechend verhalten und überlebte die genauso wie die 25 Jahre danach auch.
Und je mehr Angst Du davor hast- oder Du Dir deswegen einjagst, desto eher wird der nächste Anfall auf Dich zu kommen.
Damit Leben ist die beste Medizin. – Besser als sich bejammern zu lassen- oder nach Mitleid herum zu Suchen. – Führe ein aktives Hobby aus, oder gliedere Dich in einen Verein aktiv ein und da gibt es genügend Möglichkeiten.
Und vielleicht auch Ursachenforschung betreiben. – Was hast Du eben in letzter Zeit Besonderes getan?

Viel Erfolg
Matthias


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