Bethel - und dort soll ich leben?

Anton, Sunday, 21.03.2010, 16:30 (vor 5996 Tagen) @ Heintje82

Hallo Heintje,

ich bin froh und glücklich, dass Du dich gemeldet hast und die Absicht hegst, nach Bethel zu gehen. Die Stadt Bielefeld ist schöner als Münster, es sei denn, Du findest Münster schön wegen der vielen alten Kirchen. Du machst den Eindruck, als wenn Du auch weiterhin autonom entscheiden wirst. Das habe ich am ersten Schriftsatz gemerkt.

Programme gibt es überall. Auf der Arbeit sind es die Chefs und Kollegen, die einem sagen, was zu tun ist. Und die einem auch negativ beisetzen können. Der Arbeitsmarkt ist so hart wie nach dem letzten Krieg nicht. Aus dem Grunde könnte gut sein, dass Du Deine Ruhe findest. Und Du selbst kannst entscheiden, was Du möchtest. Eins ist sehr wichtig. Du musst die Grenzen setzen. Damit meine ich, Du machst nur das, was Du für dich gerecht und konstruktiv findest. Wenn Du das kannst, solltest Du Bethel als eine Stätte der Ruhe sehen, die dir einen großen Bekanntenkreis bietet.

In dem Dorf Bethel, das ein paar Kilometer von Bielefeld entfernt liegt, sind überwiegend Krankenhäuser und Wohngruppen. Landschaftlich ist es auch dort wunderbar. Ein bisschen hügelig durch den Teutoburger Wald. Zur City Bethel fährt alle 10 Minuten die Stadtbahn.Und Du kannst auch hinlaufen oder mit dem Rad fahren. Und Du bist in der Nähe des Epilepsie-Zentrums.
Bielefeld hat eine schöne Einkaufszone, viele Straßencafés, tolle Geschäfte und auch Kultur zu bieten. Wenn Du persönlich diese Veränderung als einen Ruhepfad in Deinem Leben siehst, auf dem Du nach Jahren des Getriebenwerdes wieder vorhandene Ressourcen aktivieren kannst, bist Du dort richtig. Es leben in der Vielzahl der Wohngruppen einige Schwerkranke, z. T. geistig und körperlich Behinderte. Sie gibt es überall, auch in Oldenburg. Und es gilt, fair mit ihnen umzugehen und sie zu integrieren.

Und es gibt in den Wohngruppen hochintelligente Menschen, die durch was auch immer, vom Weg abgekommen sind. Und sich dort aklimatisieren um eines Tages einen neuen Beginn zu starten. Ich denke dabei an Menschen, die unschuldig in Psychosen geraten sind und sich dort wieder fit-leben. Innerhalb des Dorfes fährt alle 10 Minuten der „Bethelbus“. Ich bin im Epilepsie-Zentrum in Bethel operiert worden und habe mir das Umfeld über Monate ansehen können. Es war erst etwas gewöhnungsbedürftig, aber ich habe nur nette Menschen kennengelernt. Wenn Du jetzt einen Betreuer hast, der dir hilft, Deine Lebensvorstellung umzusetzen, ist das doppeltgut. Auch er wird meiner Meinung sein und dir empfehlen, dort hinzugehen. Ich bin im Sommer 2006 dort gewesen. Gedanklich habe ich diese Stätte so mit nach Hause genommen. „Ein Dorf voller junger Menschen, die lebendig, fröhlich und zufrieden sind.“ Du wirst kein Stück eingengt sein, natürlich muss Ordnung herrschen, aber wo ist das nicht so.

Natürlich wird es in Oldenburg Leute geben, die nicht verstehen, dass Du es machst. Ähnliche Einrichtugen in der Nähe von Oldenburg kannst Du aber vergessen. Stündlich fährt ein Zug von Bielefeld nach Oldenburg. Du musst nur einmal umsteigen in Osnabrück. Ich habe das Gefühl, Du bist ganz da. Wenn Du dort eine Zeit gelebt hast, kannst Du vielleicht das Erlebte mit in Deine bisherige Berufserfahrung einfließen lassen.

Apropos „Deine Ausssetzer“. In Bethel wird keiner komisch gucken, wenn es dir ausnahmsweise mal nicht gut geht. Es gibt Menschen, die warten ein Leben lang auf das Angebot in Bethel. Und Du hast sogar schon die Finanzierung stehen. Unter diesen Umständen würde ich es machen. Wäre ganz schön, wenn Du uns hier im Forum von dir berichtest. Ich wünsche dir ganz viel Glück und wäre froh, wenn Du von dir hören lässt.

Liebe Grüße
Anton


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