Operation

Anton, Saturday, 08.05.2010, 17:54 (vor 5947 Tagen) @ Kermit

Hallo Kermit,

ich habe schon jede Menge Stunden in Narkose verbracht, wieviele genau, kann ich gar nicht so genau sagen. Bestimmt insgesamt über eine Woche, aber danach hast Du nicht gefragt. Hat mir immer gut gefallen, hat immer alles geklappt und ist noch nie etwas schief gegangen. Es gibt immer ein Restrisiko, selbst wenn Du dir einen Zahn ziehen lässt, kannst Du dabei sterben.

Bei der Epilepsie-Chirurgie handelt es sich meistens um einen Eingriff am offenen Gehirn, eine stereotaktisch, computergesteuerte Operation. Eigentlich ganz leicht. Es wird erst das Haar abgeschnitten, dann schneidet man einen Hautfetzen am Kopf weg, die Wurzeln des Haares bleiben dabei unbeschädigt, und klappt das Ganze herüber. Ungefähr so, als wenn Du einen Apfel schälst und plötzlich aufhörst und die Schale herüberbiegst.

Vor der Narkose haben die Ärzte schon die Stelle markiert. Dort wird zuerst ein Loch gebohrt und dann mit der Stichsäge der Knochen herausgesägt. So ungefähr eigroß. Dort am Knochen zum Kopf herein setzt man den Apparat für das Messer an und befestigt es mit einer Schraubzwinge an der dafür geschaffenen Öffnung. Und dann arbeitet das Messer so schnell, das es gar nicht zu sehen ist. Wenn die störenden Gewebsfetzen herausgeschitten sind, setzt man den Knochen wieder ein, befestigt ihn mit Keilstücken und legt die Haut darüber. Alles dauert zwischen zwei und fünf Stunden. Zum Schluss wird das Ganze geklammert, Du bekommst einen Turban auf und fertig ist die Sache.

Der Witz ist, dass die Epilepsie-Chirurgie mit der Schönheits-Chirurgie auf einer Stufe steht. Du kannst keinen Arzt dazu verpflichten, dich zu operieren. Es kann alles passieren, damit ist aber nicht zu rechnen.

Liebe Grüße
Anton


Der Status eines epilepsiechirurgischen Eingriffs

Um die Frage zu beantworten, warum vor epilepsiechirurgischen Eingriffen so sehr auf die bestehenden Risiken hingewiesen wird, muss man Folgendes wissen. Die Epilepsiechirurgie steht mit der Schönheitsoperation, zum Beispiel dem Lifting, dem Fett absaugen oder der Brustvergrößerung auf einer Stufe. Es ist keine Notoperation wie es zum Beispiel beim entzündeten Blinddarm, der entfernt werden muss, ist. Oder wie beim Beinbruch, der unbedingt durch eine Schienung (konservativ) oder durch eine Operation therapiert werden muss. Auch beim entzündeten Blinddarm muss der Arzt den Patienten versorgen.

Anders bei der Epilepsiechirurgie. Er ist nicht zur Behandlung verpflichtet. Er begibt sich ohne diese Verpflichtung auf dünnes Eis und könnte postoperativ vom Patienten bei Nichtzufriedenheit wegen operationsbedingter neurologischer Defizite verklagt werden. Um weiterhin zu operieren zu können und nicht ständig im Gerichtssaal zu stehen, erfolgt präoperativ ausführliche Aufklärung des Patienten.

Das Krankenhaus Mara in Bielefeld-Bethel, eine Klinik des Epilepsie-Zentrums Bethel, hat in der Einverständniserklärung, die es sich von Patienten oder deren Vertreter präoperativ unterschreiben lässt, Folgendes stehen:

„Bei der Epilepsie-Chirurgie handelt es sich um einen (nicht lebensnotwendigen) Wahleingriff, der auch Risiken beinhaltet. Allgemeine Komplikationen können nach jeder Operation auftreten: Narkoserisiko, Infektionen, Nachblutungen, Wundheilungsstörungen, Beinvenenthrombosen, Lungenembolie und Lungenentzündung.

Darüber hinaus können in diesem Operationsbereich spezielle Komplikationen auftreten wie: Knochendeckelinfektion mit nachfolgendem Knochenersatz, Hirnhaut- oder Hirnoberflächenentzündung, Eiteransammlung im Hirn mit evtl. operativer Entfernung und ein Hirninfarkt.

Dadurch können bleibende Schäden bei den operierten Patienten auftreten. Die Rate schwerer Komplikationen bis hin zum Wachkoma und Tod ist in unserer Klinik mit <0,25 % ermittelt worden. Hingegen sind Lähmungen, Gefühlsstörungen, Sprachstörungen, Sehstörungen (Gesichtsfelddefekt), Gedächtnisverschlechterungen, vermehrte Anfälle und evtl. Hirnwasserzirkulationsstörungen (Ventilimplantation) mit bis zu 3 % möglich.

Neben diesen Risiken muss die mögliche Chance durch die Operation berücksichtigt werden. Die Wahrscheinlichkeit für Anfallsfreiheit nach der Operation beträgt ca. 70 bis 80 %.“


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