komplex fokale anfälle? oder kennt das jemand?

Relaia, Friday, 15.04.2011, 00:39 (vor 5605 Tagen) @ Conny

Hallo liebe Conny,

sehr viel von dem, was du beschreibst, kenne ich sehr gut. Leider kann ich dir bei der Frage, ob Epilepsie oder psychogen auch nicht wirklich helfen. Denn auch diese "Leier" kenne ich sehr gut. Allerdings muss ich mich tanguera voll und ganz anschließen, dass psychogene Anfälle bei kleineren Kindern ziemlich selten sind. Panikattacken oder hysterische Anfälle (auch in psychopathologischem Ausmaß) kommen bei Kindern immer wieder vor, aber bei dieser komlexen Symtomatik spricht doch einiges für komlex fokale Anfälle und/oder Absencen.
Die Übelkeit und das Schwindelgefühl habe ich oft sehr stark. Manchmal geht das über viele Stunden. Und häufig dämmere ich so nach und nach weg. Lauf anfangs noch herum und kann verschiedene Dinge erledigen, bis mir immer schwindliger wird, das Dröhnen und Sausen in meinem Kopf immer stärker und ich immer mehr die Orientierung verliere und dann irgendwann meist gar nicht mehr ansprechbar bin. Oft kippe ich dann um und fange an zu krampfen. Häufig verspühre ich auch, kurz bevor ich umkippe, ein starkes Panikgefühl, das ich ansonsten in keiner anderen Situation kenne (ich bin an sich kein ängstlicher Mensch). Ich kann mir gut vorstellen, dass so ein Gefühl für Kinder sehr schlimm sein kann, v.a. weil man in dieser Situation auch so ausgeliefert und hilflos ist. Man kann ja nicht davon laufen und dieses unangenehme Gefühl hört auf. Mir hilft es dann oft, wenn jemand da ist, aber nur da ist. Noch schlimmer, als allein zu sein, ist jemand, der versucht mich bei Bewusstsein zu halten, ständig auf mich einredet und mich vielleicht auch noch berührt. Das wäre äußerst kontraproduktiv und hat sogar die Anfälle schon verstärkt und v.a. das unangenehme Gefühl kurz davor. Ich weiß, dass das für Außenstehende extrem schwer einzuschätzen sein muss, was helfen könnte und was eher schlecht wäre, weil es wahrscheinlich auch bei jedem etwas ander ist. Aber vielleicht kannst du ja herausfinden, wie du deinem Sohn in einer solchen Situation helfen kannst.
Was deine Frage mit den Episoden angeht: ich habe oft ein bis drei Wochen alle paar Tage Anfälle und zwischen den Anfällen fühle ich mich auch ziemlich mies(ständig Auren und sehr müde). Und dann habe ich wieder mehrere Wochen, manchmal bis zu zwei Monaten nichts und ich fühle mich total gut. Bis wieder eine neue Anfalls-Serie kommt. Vergangenen Dezember hatte ich manchmal bis zu drei Anfälle am Tag, den ganzen Februar hindurch gar nichts. Du siehst, das kann ziemlich schwanken.
Vor einigen Wochen gab es hier mal einen Thread "Psychogene Anfälle oder Epilepsie". Dort habe ich auch schon ziemlich ausführlich:-P :-D von dem Hin und Her zwischen Neurologen und Psychotherapeuten erzählt. Erst hieß es in der Notaufnahme Epilepsie, sie wollten EEG und MRT machen, haben jedoch in der Zwischenzeit ein paar Dinge erfahren, wodurch sie alle geplanten Untersuchungen gestrichen haben und mich mit der Vermutung "psychogene Anfälle" nach Hause geschickt haben. Psychotherapie hat, hinsichtlich der Anfälle,auch nach über einem halben Jahr nichts gebracht, Anfälle sind immer schlimmer geworden, bis dann ein anderer Neurologe meinte, das ist auf alle Fälle Epilepsie. Ein paar Monate später meinte ein wieder anderer Neurologe: MRT negativ (worüber ich sehr froh war), EEGs uneindeutig (was auch immer das heißt) oder negativ, bis auf eines, das während eines Anfalls aufgenommen wurde, also sagt er: vielleicht doch psychogen. Das ist ein ständiges hin und her und jeder der bisher vier Neurologen sagt etwas anderes. Ich habe mitlerweile das Gefühl, es hängt stark vom Arzt ab, ob eher eine psychische oder organische Ursache angenommen wird. Fast ein bisschen so, z.B. wie manche Ärzte schnell starke Medikamente verschreiben und andere lange auf Homöopathie schwören.
Ich hoffe ihr findet einen Arzt, der deinem Sohn helfen kann, unabhängig davon, was der dann diagnostiziert. Hauptsache es hilft deinem Sohn. Und wenn du das Gefühl hast, es hilft ihm nicht, dann traut euch ruhig, auch noch eine andere Meinung einzuholen. Immerhin ist eine adäquate Behandlung und Betreuung bei Kindern besonders wichtig.
Alles, alles Gute,
Relaia


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