Anfälle ohne Grund

Mondenkind, Wednesday, 18.05.2011, 11:16 (vor 5571 Tagen) @ Prinzesschen86

Hallo Prinzesschen,

erst einmal "Herzlichen Willkommen"! :-)

Ich erzähle dir gerade erst einmal von mir:
Als Kleinkind hatte ich Fieberkrampfanfälle und wohl auch schon epileptische Anfälle, doch durch Tabletteneinnahme und auch nach Abdosierung dieser mit ca. 9 Jahren war ich dann über 15 Jahre anfallsfrei.

Meine Epilepsie begann dann wieder mit 18 Jahren (1996). Der Arzt (derselbe wie in der Kindheit) schob es auf Stress (erster Arbeitsplatz, Probleme zu Hause etc.). Ich bekam Tabletten, die Anfälle kamen, die Anfälle gingen.

1999 zog ich dann um und studierte (ich bin Sozialpädagogin). Neuer Arzt, keine Änderung. 2005 zog ich dann wieder in die Nähe meiner neuen Heimat. Wieder einen neuen Arzt. Anfälle nur nachts, ich konnte meinen Führerschein machen - Juchu!

2007 erste Arbeitsstelle (nach dem Anerkennungsjahr), nach einem halben Jahr traten die Anfälle wieder auf, Führerschein passé... :-(

Mein Arzt wusste nicht weiter und riet mir zu einer Reha in Bethel. Diese fand im Sommer 2008 statt. Hier fanden sehr viele Untersuchungen statt. Ich wollte wissen woher die Anfälle kommen und ob ich ggf. operiert werden kann. Die Ärzte stellten eine Vernarbung am linken Hippocampus fest und auch, dass ich diese operativ entfernen könnte (Wahrscheinlichkeit der Anfallsfreiheit 80 %, der Anfallsbesserung 95 %). Da die Anfälle mit hoher Wahrscheinlichkeit von der Vernarbung her kamen, konnten Medikamente bei mir keine dauerhafte Besserung bringen, ggf. eine vorübergehende.
Ich holte mir eine zweite Meinung in der Uniklinik Bonn und ließ mich letztendlich dort auch im September 2009 operieren.

Ich habe die OP bis heute nicht bereut! Ich habe zurzeit meine längste anfallsfreie Zeit seit 1996.
Eine Nebenwirkung der OP: Ich kann nicht mehr Vollzeit arbeiten. Nach 6 - 7 Stunden arbeiten kommt bei mir Schwindel und / oder Kopfschmerzen. Das hat man mir vorher angekündigt und ich sage lieber 6 Stunden arbeiten ohne Anfälle, als 8 und Angst vor Anfälle haben.

Meine Anfälle kamen auch oft ohne Vorankündigung. Ich nahm regelmäßig Medikament ein, schlief genug, trank keinen bis wenig Alkohol etc. Das einzige was ich (irgendwann) wusste, dass ich Anfälle bekomme, wenn ich eine zu lange Wachphase habe. Das minderte zwar vielleicht die Anfälle, das ich darauf achtete auf Feiern (auch auf eigenen) nicht zu lange wach zu bleiben (3 h, 4 h oder noch später), sondern dann ins Bett zu gehen, wenn ich müde bin... (ich sage immer, bei anderen kommt nach müde doof, bei mir kam nach müde Anfall ;-) ).

Darf ich dir noch ein paar Fragen stellen? Wie geht deine Familie mit den Anfälle um, wie deine Freunde? Hast du eine Ausbildung / Studium gemacht? Arbeitest du zurzeit?

Ich wünsche dir guten Erfolg in Bonn! Ich fühlte mich dort gut aufgehoben, und hoffe, dir geht es genauso!

Liebe Grüße
Mondenkind

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"Ich habe gelernt, vom Leben nicht viel zu erwarten. Das ist das Geheimnis aller echten Heiterkeit und der Grund, warum ich immer angenehme Überraschungen statt trostloser Enttäuschungen erlebe."
(George Bernard Shaw)


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