Facharbeit zum Thema Epilepsien - Bitte um Eure Mithilfe

huge88, Großraum Nürnberg/Fürth/Erlangen, Saturday, 26.11.2011, 18:04 (vor 5379 Tagen) @ nordlicht

So - endlich finde ich Zeit, was zu antworten.

Was wünschen sich Menschen mit Epilepsien von Mitmenschen/ der Gesellschaft?

Ich persönlich würde mir wünschen, dass die wenigen Räume in unserer Gesellschaft, an denen unterschiedlichste Menschen neben der Arbeit oder der Familie noch zusammenfinden können, wieder mehr gesellschaftliche Anerkennung finden und Zulauf bekommen würden.
Damit meine ich z.B. die allgemeinen Sportvereine, die ja gar nix mit Epilepsie zu tun haben. Ich bezweifle, dass es ein besseres Mittel gibt, um Vorurteile abzubauen und gegenseitiges Verständnis zu fördern, als Menschen einen Raum zu bieten, an dem sie sich überhaupt erst einmal begegnen können.

Wo und wie sollte Aufklärungsarbeit für Aussenstehende erfolgen?

Aufklärungsarbeit in jeglicher Hinsicht ist meiner Meinung nach immer eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Sportvereine z.B. können einen Begegnungsort schaffen, mehr aber auch nicht. Wenn keine Menschen mit Handicaps dorthin, sondern in eigene Gruppen gehen, hilft selbst die beste Begegnungsstätte nichts.
Ob so etwas in die Schule gehört, ist natürlich eine Frage, über die man geteilter Meinung sein kann. Angesichts der statistischen Überlegung, dass in vielen Schulen wohl mindestens 1 von Epilepsie direkt Betroffener zu finden ist, halte ich dies jedoch durchaus für ein relevantes Thema.
Außerdem muss endlich mehr Aufklärung, und nicht nur die über Extremfälle, über die Medien geschehen, da die Zahl der von Epilepsie betroffenen sich nicht hinter z.B. denen der Altzheimerpatienten verstecken muss und eine über alle Alters- und Gesellschaftsschichten verstreute Gruppe umfasst. Dazu zähle ich übrignes auch, dass endlich das Stereotyp des "Grand-Mal/Komplex-Fokal = Epilepsie" aus einer ganzen Reihe von Arztserien verschwinden sollte.

Was für Ideen könnte man verwirklichen, um Betroffenen das Leben zu erleichtern?

Mehr Aufklärung & mehr mediale Präsenz des Themas.

Welche Erfahrungen macht man, wenn man offen mit seiner Erkrankung umgeht?

Solche und solche - ich persönlich überwiegend positive, auch dahingehend, dass die Leute nachfragen und mehr dazu wissen wollen oder anfangen zu erzählen, dass sie jemanden kennen, der so etwas in der Art hat, den sie sích aber noch nie getraut haben, irgendwelche tiefergehenden Fragen dazu zu stellen(z.B.: "Hast Du eigentlich während des Anfalls schmerzen?" - um eine der ungewöhnlichsten, die mir bisher gestellt wurden, zu nennen).

Wie kann man die Gefahr, in der Öffentlichkeit plötzlich durch die Folgen eines Anfalls in Gefahr zu geraten minimieren?

Kommt auf Deine Epi an, ob Du ein Vorgefühl hast und welche Öffentlichkeit Du meinst.
Wenn Du aus heiterem Himmel umkippst, wäre es vielleicht ganz geschickt, an der roten Fußgängerampfel nicht so dicht am Straßenrand zu stehen, dass Dir die Autos schon beinahe die Zehenspitzen überrollen.

Wo sind die größten Einschränkungen?

Dort, wo man selbst keinen Weg findet, seine persönlichen Einschränkungen zu umgehen. Ist wieder von der Epi abhängig und worauf Du besonders empfindlich reagierst.
Für mich z.B. ist es kein Problem, auf Alkohol bei Feiern zu verzichten, auch wenn ich gerne ein alk.-freies Bier oder alk.-freien Sekt mittrinke, so es den gibt.
Ich persönlich empfinde es am Hinderlichsten dabei, eine feste Freundin zu finden. Liegt aber vielleicht auch daran, dass ich irgendwie ständig welche kennen lerne, die jedes Wochenende durchmachen wollen ich bei zwei Nächten Party von 22:00 bis 04:00 Uhr nicht mithalten kann.

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Das ist der Weisheit letzter Schluss:
Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,
Der täglich sie erobern muss.
Johann Wolfgang Goethe - Faust, der Tragödie zweiter Teil


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