Aura, weil wieder emotional erpresst

mezeg, München, Wednesday, 11.07.2012, 15:44 (vor 5150 Tagen) @ mascha

Liebe Mascha und Mondenkind,

das Problem mit älteren Verwandten ist mir auch bekannt. Beide Großmütter hatten ganztags (und nachts) eine Hilfe, mit Vertretung für Wochenende und Ferien. Die Großmutter auf der Mutterseite war die schwierigere - wie vorher - hatte auch ihren Schlaganfall selber verursacht, weil sie ihre Medikamente nicht nahm, Ärzte sind doch alle blöd! Wir wohnten sehr nah und sie hatte von uns jeden Tag Besuch.
Die "väterliche" Großmutter wohnte direkt nebenan und war für uns das Idealbild einer Großmutter. Ihre Haushalthilfe war zwar "krachert" und selbstbewußt aber engagiert und gewissenhaft. Da sie keine Familie hatte, war es selbstverständlich, dass sie immer mitfeiert. Und da diese Großmutter immer eine gütige Frau war und christlich noch, bekam sie viel Besuch, Enkelinnen, Urenkel, Nachbanr, Gebetskreis usw. Sie ist "fast" zu Hause gestorben, die Haushälterin merkte, dass sie einen Schwächeanfall bekam, sie wurde ins Krankenhaus gebracht und operiert, sie wachte (92 Jahre) von der Narkose nicht mehr auf. Sie blieb auf jedem Fall in ihrer gewohnten Umgebung, im Bett, wo mein Großvater gestorben war, mit dem schnurrenden Kater auf ihren Füssen.

Mit meiner Mutter ist es anders. Sie zog (mit 79 Jahren!) in eine Wohnung, die meine jüngste Schwester gekauft hatte. Als ich die Wohnung sah, war ich entsetzt: langer Weg zum Supermarkt, erster Stock ohne Aufzug! Ein Jahr danach brach sie sich ein Bein und Alzheimer fing an. Die Schwester brachte sie dazu, ins Altersheim zu gehen. Sie hat alle Vollmachten in die Hand genommen, ich bin zu weit um einzugreifen und/oder effektiv helfen und sie macht es gut und einfühlsam, nichts zu sagen. Schlechtes Gewissen habe ich aber nicht. Nicht nur wegen der Entfernung aber auch weil diese Schwester durch ihre Nähe allerlei Vorzüge genossen hatte: Ganztagsbetreuung ihrer zwei Kinder, damit sie ganztags arbeitet, jedezeit Benützung von Fax, Telefon, Wohnmobil, Kreditgarantien seitens meines Vaters, das neue Auto meiner Mutter vollkommen übernommen, usw. Keine Kritik meinerseits: Ich war eben in der Ferne. Sollte allerdings diese Schwester mir schlechtes Gewissen einreden wollen, würde ich es aber erwähnen. Ich kann jetzt nur meiner Mutter schreiben, anrufen und täglich besuchen, wenn ich da bin.

Was Du vom "Streik" schreibst, kann ich nur zustimmen. Vernachlässigen braucht man sie nicht, aber nicht mehr so intensiv staubsaugen, Fenster putzen, aufwändig kochen, kompliziert einkaufen usw. wäre vielleicht hilfreich. Schließlich muss Deine Mutter realisieren, wieviel Arbeit und Mühe Du investiert. Vielleicht reicht auch für eine Weile eine intensivere Aushilfe mit Putzfrau, Pflegebesuche wie soziale. Damit gewinnt sie Zeit in ihrem Zuhause.

Ich muss sagen, dass ich mich vor dieser Zeit fürchte und dass es vielleicht gar nicht so schlecht wäre, im Atlantik zu den Langustinen unterzugehen.

Wenn die depressiven Phasen wieder vorbei sind, fahre ich aber wieder mit dem Rad durch den Wald und alles sieht heller aus!

mezeg


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