Bildungsprojekt

mezeg, München, Thursday, 12.07.2012, 16:33 (vor 5149 Tagen) @ Musica

Hallo Musica,

bei dem Bildungsprojekt von der AWO geht es darum, Vorschulkinder im Jahr vor und nach der Einschulung zu begleiten. Ich schätze, dass es noch in der Experimentierphase liegt.

Wir sollten die Kinder jede Woche in ein Museum oder eine Bibliothek oder zum Sport begleiten und denen alles mögliches erklären (oder reinprügeln???) Ich lehnte es aber in dieser Form ab, weil die Eltern danach weder die Häufigkeit noch die Kosten weitertragen können, die AWO trägt für das Projekt schon Fahrt- und Eintrittskosten. Nichts gegen Bildung aber ich finde es wichtig, den Kindern beizubringen auch im Alltag die Augen aufzuhalten und zu entdecken, was es alles am Straßenrand gibt. Nahm z.B. L. das erste Mal durch den Wald, Eiche und Eicheln betrachten, Löwenzahn, der soviel Tieren schmeckt und auch Menschen im Salat. Dann die Farbmarkierung an Bäumen, die wohl gefällt werden, die eine Markierung war ein Specht, ich erklärte ihr, warum sie einen so langen Schnabel haben, um die Insekten aus dem Stamm zu holen, dass ein Baum als verloren gilt, wenn der Specht dran ist. Ich versuchte auch das Geräusch vom Specht zu imitieren, was sie viel besser nachmachte.

Oder am Flußufer Strömungen, Kieselsteine, Schwäne. Auch bei mir, wie man mit drei mit Wasser unterschiedlich gefüllten Gläsern und einem Messerrücken "Musik" machen kann. Oder Schiffchen aus Nusschalen mit Zahnstocher als Mast und einer selbstgezeichneten Segel aus Papier.

Natürlich habe ich sie auch zur "Bildung" begleitet: Schmetterling-Ausstellung, Schiffe, Dinosaurier, Sterne, Tierpark.

Auf der sportlichen Seite ihr das Schlittschuhlaufen beibringen, mir einen Tretroller beschaffen, den sie mit mir benützen darf (aber nicht behalten, damit er nicht verschwindet!). Der Streit fing an, als die Mutter insistierte, dass ich sie ins Hallenbad bringen soll, was ich nicht darf, "Sie war doch nie im Schwimmbad und wünscht sie es so sehr", und jetzt wo sie erwartet, dass ich L. das Radfahren beibringe aber mir nicht das passende Fahrrad zur Verfügung stellt, das L. wohl besitzt.

Ich vermute, dass das Projekt gezielt auf Migranten-Kinder setzt, wofür ich als Migrantin :-D :-D nicht geeignet bin. Wurde mir vom Kindergarten gesagt, dass es wichtig ist, ihr vieles zu zeigen und ihre Neugier zu wecken. Dabei ist sie aufgeweckt, entdeckt gerne neues, auch wenn sie nicht sehr lange auf etwas bleibt, und recht "pflegeleicht": Nur erklären, warum dies und das so gemacht werden soll und dann akzeptiert sie. Sozusagen "begründete Autorität".

Bei ihr vermute ich eher, dass ein affektives Manko seitens der Mutter besteht. Sie wird zwar mit "Kitsch-Geschenken" überhäuft aber Zeit nimmt sich die Mutter viel zu wenig für sie.

Deswegen belastet es mich besonders für sie.

Viele Grüße
mezeg


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