Scham.

Musica, Saturday, 08.09.2012, 18:34 (vor 5091 Tagen) @ podi

Ich habe 20 Jahre keinem Menschen davon erzählt. So sehr habe ich mich geschämt. Es fing ja auch mit einemexistienziellen Drama an. Selber wollte ich auch nichts davon wissen. Schlucke die Tablette und Ruhe ist, dachte ich mir. Einen peinlichen Auftritt hatte ich bei einer Beerdigung.Die ganze Verwandtschaft hat es mitbekommen.Und beim Essen betreten (weg)geschaut. (Ich ahne ein paar Reaktionen!)Vor 4 Jahren hatte ich die bekannten Schwierigkeiten in meinem Job bekommen. Um den Job nicht zu verlieren habe ich den Schwerbeh. Ausweis beantragt und meine Krankheit benannt.Mein Team weiß davon. Bei mir ist es nicht so unkompliziert. Dauernd sehe ich mich genötigt, mich zu rechtfertigen. Blödes Gegaffe von Leuten, die irgendwie hinternherum mitbekamen, was ich habe. Sie haben natürlich die bekannten Vorurteile. Aber ich werde kaum hingehen und sagen, wie das bei mir und überhaupt ist. Und ich hasse es, mich zu rechtfertigen. Und ich hasse es auch, wenn ich sagen muß...alle haben Verständnis....Ich will kein Verständnis. Das setzt Schwäche voraus. Mittlerweile bin ich davon abgesehen hin-und hergerissen. Manchmal habe ich das Bedürfnis, mein Gegenüber zu provoziern. So habe ich es neulich einer Nachbarin quasi über den Gartenzaun gesagt. Erstauntes Entsetzen in den Augen, Nacken leicht nach hinten geneigt, Mund weit auf und " Wassssss, Sieeee"???? Mein Hobby bringt mich auf die Bühne. Wenn meine Laienkollegen wüssten, was ich habe? Ich denke, sie würden mich loswerden wollen. Alles in allem kann ich leider nicht sagen, dass ich provotiere, weil ich es gesagt habe. Aber schämen tu ich mich nicht mehr. Unangenehm bleibt es. Aber das muß ja längst nicht für alle gelten. LG,Musica


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