Mit den Nerven fertig als Angehöriger

mezeg, München, Tuesday, 04.06.2013, 14:15 (vor 4821 Tagen) @ seba


das klingt ja fast wie ein "lustiger" Roman. Darf ich fragen, wie alt Deine Tochter war?

Wie hat sie es geschafft, das Thema "loszulassen"?


Meine Tochter ist 10... x 4 :-D :-D :-D :-D

Das Loslassen hat sie wohl durch die Erfahrung gemacht. Weil sie gesehen hat, es gibt doch keine GM-Anfälle mehr und weil sie mich auch kennt ;-) ;-) : Harter Schädel aus dem besten Granit, nach der OP schnell wiederzusammengeklebt und (bei Bedarf) Durchsetzungsvermögen. Daß ich ab und zu einfach alleine gelassen werden möchte, war immer so - lange vor der Epilepsie, ist aber nun intensiver. Sie hat realisiert, daß man mir einfach nur etwas Zeit lassen muß, besonders wenn ich ein Gespräch abrupt beende... Sie macht viele Vor- / Ratschläge von denen ich viel übernehme aber eben nicht alle! Sie hat sich lange über meine übliche Antwort geärgert: "Ja, aber..." bis sie endlich akzeptiert hat, daß es keine grundsätzlich Ablehnung ist - "Nein" kann ich es deutlich aussprechen... :-D :-D :-D - sondern etwas wie "interessant, ich will aber Nebenaspekte und Konsequenzen zuerst ausdenken..."

Da sie meine Tochter ist, hat sie wohl u.A. den Granitschädel genetisch vorprogrammiert...

Ärzte allerlei Färbungen lehnt sie grundsätzlich ab, also erwähne ich das Thema nicht.

In der Obhut meines Neurologen fühle ich mich übrigens wohl und sicher. Seine Art die Angelenheit anzupacken, paßt bestens zu meinem Charaktertyp. Er hatte mich mal zu einem Epilepsie-Spezialist geschickt, um eine zweite Meinung zu bekommen. Dieser war medizinisch top, sanft und freundlich, bot mir die Übernahme der Behandlung an und ich wollte doch beim ersten bleiben. Als das Problem auftauchte, ist er ruhig-freundlich und direkt zur Sache gegangen, kein Ausweichen, Klartext. Daß er mich innerhalb weniger als einer halben Stunde überzeugt hat, mir doch den Schädel unverzüglich aufbohren zu lassen, ohne daß ich wenigstens eine Nacht darüber schlafe, ist von einem bis dann vollkommen unbekannten Arzt in einer vollkommen unerwarteten Situation, gleicht eine Olympia-Medaille vom besten Metall (das Programm scheint das Wort mit G... nicht zu akzeptieren... ???)

Der andere - absolut Fachkapazität - tanzelte um mich herum, wohl um abzuschätzen, wie er mich anpacken soll.

Also wie Dir schon hier gesagt wurde, Bauchgefühl nicht unterschätzen. Dann entspannt man sich.

Was Informationen angeht, könnte ich Dir ein Buch empfehlen (habe keine Aktionen bei dem Verlag... :-D :-D , ich finde es sehr gut als Einstieg und um anderen die Lage zu erklären.

Prof. Dr. med. Bettina Schmitz
Reden über Epilepsie
Trias Verlag

Hatte übrigens in meiner "Erst-Zeit" vor drei Jahren einen kleinen Artikel in einer Stadtviertelzeitung gefunden, der für mich unheimlich wichtig war. Ich weiß nicht ob und wie man hier ein Bild hochfahren kann, hätte es sonst gescannt. Ein Paar Sätze möchte ich erwähnen:

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"Ich habe Epilepsie - na und?"
Akzeptanz ist für die Betroffenen ein wichtiger Schritt

Häufig wird Epilepsie mit einer Geisteskrankheit gleichgestellt. Dabei beruht die Erkrankung auf einer vorübergehenden Funktionsstörung des Gehirns, bei der eine gleichzeitige Entladung von Nervenzellen in Teilen oder im gesamten Gehirn die normalen Übertragungsprozesse stört.

Manche habe "nur" Abzenzen, also Aussetzer, andere erleben Zuckungen einer Extremität, umfassende Bewegungs- und Bewußtseinserscheinungen oder Streckkrämpfe.

Für Betroffene ist es eine Befreiung, anderen selbstbewußt sagen zu können: "Ich habe Epilepsie, na und?" Oftmals die Initialzündung für viele weitere Prozesse, geingende Partnerschaft oder Wahl eines passenden Berufs.
*************

Ende der Zusammenfassung.

Diesen Weg bin ich gegangen und jetzt nehme ich den Weg zu meinem Fahrrad, um eine Runde zu drehen.

mezeg


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