Epilepsie Geschäftsfähigkeit -

Heidi 45, Friday, 29.05.2015, 16:36 (vor 4097 Tagen) @ Katlyn


Hallo Katlyn,

denke dir nichts, das ergeht mir auch genauso wie dir!

Das Problem dabei ist, daß du einfach anders eingeschätzt und behandelt wirst,
wenn du dich öffnest. So ist das mir immer ergangen, manchmal dauerte es halt ein wenig länger, aber dann bekam ich das zu spüren. In diesem Sinne bist du ein völliger Einzelkämpfer und Alleingänger, weil die anderen eben Vorurteile haben bzw. die Problematik besteht eigentlich darin, daß sie sich damit nie beschäftigt haben und plötzlich vor dem Problem "Epilepsie" stehen und nicht wissen wie sie im Falle des Falles handeln sollten. Also das ist eher eine Art "Hilflosigkeitsgefühl" der anderen.
Genauso ist das im Betrieb, wenn du arbeitest bzw. dich bewirbst.
Bei mir war das ganz interessant, denn immer wenn ich es gesagt hatte, war ich a priori nicht mehr nicht interessant für den Betrieb bzw. erhielt die Absage.
Staatliche Anstellung war bei mir sofort ausgeschlossen!

Danach sagte ich nichts mehr davon und niemanden mehr und siehe da:
ich bekam Zusagen. Der Haken an der Geschichte ist, spätestens wenn etwas vorfallen oder etwas passierren sollte, dann ist man dran, warum man das dem Arbeitgeber nicht gleich gesagt hat.
Den Staat als Arbeitgeber konnte ich sowieso vergessen, denn dort brauchte ich ja ein Gesundheitszeugnis und woher nehmen als Epileptiker?
Also war ich sofort vom Tisch, obwohl man einmal bei dieser allgemeinen Einstellung und Auffassung unserer Nichtepileptiker bedenken sollte und sie sich fragen sollten:
"nur gesund und nirgends krank ist auch nicht gesund!" :-)

Das ist das alte "Schubladendenken" und im Jahre 2500 werden die vermutlich mal sagen: "ojemine, wie konnte man damals 2015 so denken, es gibt nur einen völlig gesunden elitären Arbeitnehmer und einen absolut Behinderten, nur Gesunde und nur Kranke!" Das stinkt doch geradezu! Ich sage Dir meine Erfahrung und mein Motto:
gib niemals auf und kämpfe und sage dir: "jetzt erst recht!"

Und das große Schlagwort "Inklusion", das geradezu in aller Munde ist und wo jeder überall seine Teilhabe pflegt, das riecht dermaßen nach bürokratischer Ordentlichkeit und formaler Quotenerfüllung, daß mir richtig schlecht wird dabei, wenn ich an meine Entwicklung zurückdenke.
Davon lasse ich mich nicht mehr blenden, denn statistische Zahlen haben diesbezüglich in Bezug auf die reale Lebensqualitätsverbesserung bei Epileptikern kaum eine Aussagekraft.
Es muß auch vom Betroffenen her gesehen akzeptiert werden und nicht nur ein von außen aufoktroyiertes Modell auf "Anpfiff" sein.
Schon seit vielen Jahren wurden Epileptiker an den Rand des Überlebens gedrängt und geschoben, waren sich selbst überlassen und jetzt plötzlich sollen sie alle integriert sein. Ist das nicht bedenklich? (das waren meine Erfahrungen, Meinungen lt. Grundgesetz haben wir Meinungsfreiheit und Meinungsvielfalt)

Machs gut
Heidi45:-)


gesamter Thread: