Drogen und Alkohol - Party, neues Leben.

mezeg, München, Tuesday, 02.10.2012, 09:14 (vor 5067 Tagen) @ Maribelle612

Hallo,

die italienische Lehrerin hat uns gestern Kurz-Bücher zurückgebracht, ich ließ mir eins zum lesen geben und konnte erst aufhören, bis ich die letzte Seite gelesen hatte.

Es spricht das 17-jährige Mädchen Alice. Aus dem Hause geschlüpft, in der Disco mit ihrem Freund, Alkohol, daß man unter dem Tisch mit Drogen vermischt. Eben Party, neues Leben.

Der Freund läßt sich von einer anderen anmachen und sie fahren zu dritt heim, er läßt die Andere am Steuer.

Dann kommt es zum Unfall. Alice, eingequetscht, nimmt Stimmen und Geräusche wahr, das Vibrieren des Bolzenschneiders, daß ihr Freund und das Mädchen gestorben sind... aber kann keinen Ton abgeben.

Im Krankenhaus fühle sie sich vollkommen desorientiert, kein Gefühl mehr für Zeit und Raum.

Vater und kleine Schwester kommen ins Krankenhaus, sie kann sie wahrnehmen, hören und verstehen aber selber keinen Laut, keine Bewegung zeigen. Sie meint zu weinen, man sieht ihr nur leuchtende Augen an.

Das medizinische Personal ermutigt, mit ihr zu sprechen, weil sie - vielleicht - doch etwas wahrnimmt. Die Familie kommt, um sie zum 18. Geburtstag (!) zu gratulieren, die Schwester führt für sie ein Tagebuch, das sie ihr am nächsten Tag vorliest, um ihr eine Ahnung von Zeit, und vom gestern Erlebtem zu geben. Ein Hin und Her mit ihrem körperlichen Zustand... zwei Jahre lang. Irgendwann kann sie nur noch die Stimme ihres Vaters hören und denkt verzweifelt: "Salvami!" (Rette mich!). Aber es kommt keinen Ton von ihr raus. Und ihr Vater glaubt immer noch, daß sie irgendwann von einer Sekunde auf die andere aufwachen wird.

Und irgendwann erklären die Ärzte ihrem Vater, daß ihr körperlicher Zustand sich rapide verschlechtert, keine Möglichkeit, daß ein "Funken" je wieder glüht und man könnte dafür sorgen, daß sie nicht länger..., daß man sie erlöst.

Der Vater sagte es ihr am Krankenbett und daß er "fühlt", daß sie befreit werden möchte.


Zwei Jahre lang im eigenen Kopf eingesperrt zu sein und noch dazu wissen, warum es so kam und daß es doch so leicht zu vermeiden gewesen wäre.

Wie sie "schreibt", hat sie die "Rote Linie" überschritten, ist durch den Spiegel gegangen, um ziellos in einer ewige schreckliche Nacht zu irren.

Ein unheimlich bewegendes Buch, daß mich nicht los läßt. Eine winzige Ahnung der Situation habe ich nach meinem 3. GM bekommen, als ich beim vollen Bewußtsein kein Wort rausbringen konnte, und meine Einweisung ins Krankenhaus definitiv verhindern wollte.
Aber bei mir dauerte es max. 2 Minuten und ich könnte mich körperlich mit Mund- und Körperbewegung doch deutlich ausdrücken. In diesem "Sarg" der Kontaktunmöglichkeit blieb ich so kurz und kann trotzdem diese Verzweiflung nicht vergessen.

mezeg


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