Epilepsie und Angst

Anton @, Freitag, 22.04.2022, 14:17 (vor 157 Tagen) @ Ana

Hallo Ana,

herzlich willkommen bei uns im Forum. Deine Frage stellt sich wohl jeder von uns, Epilepsie ist so fürchterlich unberechenbar, man weiß nie, wann es passiert und das ist das Gemeine. Ich bin seit einem halben Jahrhundert an Epilepsie erkrankt, war 25 als es begann, damals gab es keine Informationen, man war auf die Aussagen und Hinweise der Ärzte angewiesen, es gab weder Bücher noch sonstige Aufklärungsschriften, die einem einfachste Fragen hätten beantworten können.

Erst sehr spät habe ich begriffen, dass man selbst sein bester Arzt sein kann, wenn man sich Wissen über die Erkrankung aneignet. Heute ist das kein Problem mehr, das Internet, die virtuelle Selbsthilfegruppe, in der man alle Fragen stellen kann und Antworten auf eigene Fragen findet.

Für mich war wichtig zu wissen, wie ich zu der Epilepsie gekommen bin. Ferner habe ich herausgefunden, welche Epilepsie ich genau habe. Das alles ging in sehr kleinen Schritten, denn an die Öffentlichkeit mochte ich nicht, da Epilepsiekranke auch heute noch einem Stigma ausgesetzt sind.

Bei meinen Nachforschungen bin ich auf viel Wissen und auf hilfreiche Tricks gestoßen, die es geschafft haben, die Zahl der Anfälle zu reduzieren. Ferner habe ich von einer Bekannten den Ablauf eines Anfalls beschreiben lassen. Das hat dem Neurologen sehr geholfen bei der Diagnostik und bei Auswahl des richtigen Antiepileptikums. Ich habe mir angewöhnt, alles genauestens zu dokumentieren, um Zusammenhänge zwischen Lebensweise und Anfallsgeschehen zu finden.

Das Internet hat mir dann vor 25 Jahren dazu verholfen, mich mit den operativen Möglichkeiten bei Epilepsie zu beschäftigen. Vor 16 Jahren war es dann soweit, ich hatte Glück, Medikamente nehme ich noch, aber die Anfälle sind nicht wieder aufgetreten.

Zu Deiner Frage, die ich für wichtig halte, ich meine die Angst vor Anfällen. Zu Beginn des letzten Jahrhunderts hat der Arzt und Psychologe Abraham Maslow die Bedürfnisse des Menschen definiert. Er hat in der „Bedürfnispyramide“ die fünf wichtigen Bedürfnisse des Menschen aufgeführt. Das Bedürfnis „Sicherheit“ steht nach der Befriedigung existenzieller Bedürfnisse an zweiter Stelle. Für mich als Anfallskranken bedeutet Sicherheit, unterwegs zu sein, ohne Angst vor Anfällen zu haben. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich Angst haben nicht lernen lässt. Also bleibt nur der Weg zu einer besseren Diagnostik mit der Hoffnung, möglichst ganz anfallsfrei zu sein. Dir wünsche ich, dass das gelingt.

Liebe Grüße
Anton

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Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.


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