Seit kurzem Diagnose Epilepsie

Anton @, Mittwoch, 24.08.2022, 13:28 (vor 44 Tagen) @ Agni99
bearbeitet von Anton, Mittwoch, 24.08.2022, 13:38

Hallo,

bei mir hat die Epilepsie im Alter von 25 Jahren begonnen. Meine Partnerin hat sie entdeckt. Und zwar habe ich morgens in der Aufwachphase ein hörbares Schmatzen und Stöhnen von mir gegeben, habe mich gedreht und war ziemlich unruhig. Auf ihr Anraten habe ich einen Internisten aufgesucht, der sofort, ohne große Untersuchungen, Epilepsie diagnostiziert hat. Er hat mir zwei Medikamente verschrieben, die ich in konstanter Menge 23 Jahre genommen habe, ich war zu 95 % anfallsfrei. Einziges Manko: Die Tabletten raubten die Kognition, sie ließen mich langsam reden, wie in Zeitlupe. Als junger Mann hatte ich am Telefon eine Stimme wie ein 80-Jähriger.

8 Jahre nach Beginn der Epilepsie ist der Clusterkopfschmerz ausgebrochen, der mich in den nächsten 15 Jahren fast ins Grab gebracht hätte. Nur durch Zufall konnten mir Ärzte helfen, nachdem ich schon in zahlreichen Krankenhäusern gewesen war, und zwar durch den Wechsel von Primidon und Phenytoin auf Valproinsäure. Der Schmerz war weg, und die Anfallsfreiheit auch. So habe ich laufend die Mediation gewechselt, alles half nichts, ich bekam wieder Anfälle. Ich war verzweifelt und hatte keine Lust mehr zu leben. Ich war ständig in Krankenhäusern, weil mein Körper das alles mitzumachen nicht mehr bereit war.

Dann kam das Internet und konnte mich nach Möglichkeiten erkundigen, was alles machbar und worauf zu achten ist. Wichtig für den behandelnden Neurologen ist zu wissen, was die Ursächlichkeit der Erkrankung ist. Ebenso wichtig ist für ihn eine Anfallsbeschreibung durch einen Dritten. Videoaufnahmen können eine Hilfe sein, das muss aber nicht unbedingt. Der Neurologe will auf jeden Fall einen Anfallskalender sehen. Und die Vorgeschichte interessiert ihn von Geburt an. Von allen bisherigen Erkrankungen, möglichst mit Arzt- und Krankenhausberichten, hat er gerne Kenntnis.

Da von den Eltern keiner mehr lebte, habe ich Auskünfte bei Bekannten und Verwandten erhalten. Da ist mir erzählt worden, dass ich nach der seinerzeitigen Pflicht-Pockenschutzimpfung sehr krank gewesen sein soll, hohes Fieber, eine Hirnhautentzündung habe es gegeben, so die Auskünfte. Zusätzlich hatte ich eine Bekannte, die bereit war, den Ablauf eines Anfalles zu dokumentieren. Diese Informationen habe ich einem Neurologen in einer Epilepsie-Ambulanz gegeben, der sofort die bisher gemachten Röntgenbilder, wie CT- und MRT-Aufnahmen sehen wollte. Auf der MRT-Aufnahme konnte er eine Narbe auf dem rechten Temporallappen erkennen, er sagte, es gäbe die Möglichkeit, diese Epilepsie zu operieren, er würde die Verbindung zu einem Epilepsie-Zentrum herstellen wollen, worum ich ihn gebeten habe. Die Operation am rechen Temporallappen ist im Juni 2006 erfolgt, seither bin ich anfallsfrei. Da ich schon älter bin und das Risiko eines Anfallsrezidivs auf jeden Fall vermeiden möchte, nehme ich weiterhin die Medikamente, die mich kognitiv nicht beeinträchtigen und deren Nebenwirkungen ich akzeptiere.

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Die Informationen ersetzen auf keinen Fall eine professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte. Die Inhalte können und dürfen nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.


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