Vor 10 Jahren SHT jetzt 1. Anfall !richtige Diagnose?

mezeg, München, Thursday, 13.02.2014, 10:51 (vor 4567 Tagen) @ Mazulog

Hallo Mazulog,

bei mir hat sich die Epilepsie erst sehr spät gezeigt. Gelegentliche nächtliche Anfälle, die lange nicht als solche identifiziert wurden.

Ursache: eine walnußgroße Hirnhauttumor, die kräftig auf das Hirn drückte. Gelungene OP, 6 Monate sicherheitshalber auf Keppra, damit sich alles beruhigt. Und nach vorsichtiger Absetzung dann GM-Anfall tagsüber. Liegt an der Narbe. Ja, von der OP verursacht, keine Alternative, die Tumor war "raumfordernd und mit Wachstumtendenz". Der Neurologe sagte, daß es bei 50% der Patienten einer solchen OP passiert. Hoffnung auf jegliche Verbesserung = 0!

Wurde auf Lamotrigin eingestellt, bekam noch zwei weitere GM-Anfälle, weil ich - zumindest eine Weile - auf die Hälfte der verschriedenen Dosis bleiben wollte. Also etwas aufdosieren, jetzt läuft es seit zwei Jahren.

Der GM-Verursacher ist bei mir eine "überhöhte Streßanfälligkeit", die Reaktion erfolgt in der Relaxe-Phase. Es gibt mir zwar die Warnung auf eine eventuelle GM, kann es gleichwohl die Gefahr verstärken.

Das AE hatte ich am Anfang emotional abgelehnt - aber rational nach Vorschrift genommen. Inzwischen reine Routine, ich nehme es fast mit Dankbarkeit für das fast normale Leben, das ich jetzt führe. Vielleicht frage ich in zwei, drei Jahren den Neurologen vorsichtig, ob man vielleicht etwas reduzieren könnte... Kann mir aber nicht vorstellen, daß er einverstanden ist.

GM ade, nur noch Auren oder sprachliche Störungen hier und da. Immer schwächer und seltener.

Sehr belastend war die Vorstellung, sozialen Kontakten aller Art es kaschieren zu müssen. Um eine Ablehnung zu vermeiden. Inzwischen denke ich, wer mich ablehnt, ist nicht viel wert... Es gingen viele Kontakte verloren. Neue sind aber dazu gekommen und je nach Fall erwähne ich die Epilepsie, damit man mich in Ruhe läßt, wenn ich plötzlich sprachlos bleibe und nur sonderbaren Unsinn rede.

Wird mir bei einer Situation mulmig, z.B. Festzelt mit wenig Sauerstoff, sehr hohem Lärmpegel, mehreren Leute, die meine ganze Aufmerksamkeit für sich haben wollen, dann gehe ich. Ich versuche nicht mehr die aufsteigende Übelkeit runter zu drücken.

Was dem Sport angeht, bekam ich auch die übliche Warnungen. Zuerst das Radfahren, was ich nicht aufgeben wollte. Aber mit Helm, weg von verkehrsreichen Straßen und sowieso nicht leistungsbezogen aber zum Genuß, wurde es vom Neurologen akzeptiert und vom Neuro-Chirurg sogar empfohlen. Radfahren in schöner Landschaft ist für mich perfekte Entspannung.

Was dem Schwimmen angeht: In Begleitung ja, allein nein! Ich halte mich nicht dran, bin aber dem Risiko bewußt. Schwimmen ist für mich auch Hochgenuß und doch eigentlich Anti-GM. Ich bin auch nicht mehr die Jüngste und eine "definitive" Konsequenz nehme ich bewußt in Kauf. Familie und Freunde habe ich informiert, daß der Neurologe in keinster Weise beschuldigt werden darf.

Bin auch kritischer: alle Umstände müssen stimmen, ich muß richtig Lust haben, keinen Zwang. Hallenbad nein, ich bin klaustrophobe. Freibad ja, wenn ich Platz zum Schwimmen habe, nicht im Durcheinander.

Sogar im Meer, wenn alles stimmt: ruhiges, lauwarmes Wasser, Kenntnis der lokalen Situation, Licht und Luft, Weite. Nur solange ich richtig Lust habe. Dann und nur dann ist es Entspannung.

Die Lösung war für mich, einfach - nein, einfach war es nicht! - die Situation nüchtern zu analysieren und zu akzeptieren. Andere Wege zu suchen, um doch ans Ziel zu kommen. Mein Gehirn zeigt mir eigentlich den Weg: bleibe ich plötzlich stecken und finde ein Wort, einen Ausdruck tägliches Verbrauchs, auch in meiner Sprache nicht, rudere nicht mehr gefährlich verzweifelt. Es scheint, ob sich "Parallel-Wege" einen Weg durchgebohrt hätten: das Wort kommt über ähnliche Begriffe, manchmal auch das Gegenteil. Es ist wie ein Foto aus diesen Automaten: zuerst gelb Töne, dann blau, dann rot*... und dann ist das Foto fertig.

Alles Gute

mezeg

* die Reihenfolge weiß ich nicht mehr... :-) :-)


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