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Anton, Wednesday, 20.01.2010, 19:39 (vor 6055 Tagen) @ kaffeekanne

Hallo Holly,

danke für das Feedback. Ob meine Epilepsie genetisch bedingt ist, weiß ich nicht. So im unmittelbaren Familienkreis gibt es sie sonst nicht. Den wahren Grund für meine Erkrankung hat vor einigen Jahren erst ein hochauflösendes MRT gezeigt.

Im Alter von drei Jahren bin ich unmittelbar nach der Pflichtpockenschutzimpfung schwer erkrankt. Ich bekam hohes Fieber, einen Fieberkrampf, hatte eine Hirnhautentzündung und habe nur durch Zufall überlebt. Die Dokumente aus dieser Zeit haben nicht gereicht, um die Bundesrepublik wegen Körperverletzung zur Zahlung zu verurteilen. Die BRD hat mehr Geschädigte durch diese Impfung produziert auf dem Gewissen als Grünenthal mit dem Mittel Contergan. Die erste Pille Contergan ist im Jahr 1959 ausgegeben worden.

Bei mir ist es durch den Fieberkrampf zu einer Narbenbildung im Gehirn gekommen. Erst gut 20 Jahre später hat sich die Narbe erstmals als Schwachstelle bemerkbar gemacht, in Form eines epileptischen Anfalls. Es manifestierten sich fokale und komplex fokale Anfälle. Eine Anfallsart, die gar nicht oder nur schlecht medikamentös in Griff zu bekommen ist. Aus dem Grund habe ich mich vor gut drei Jahren am Temporallappen operieren und das auslösende Gewebe entfernen lassen.

Die präoperiative Bildgebung sowie die postoperativen Ergebnisse der Histologie haben die Kausaltität zwischen dem damligen Fieberkrampf und dem Ausbruch der Epilepsie im Alter von 25 Jahren bestätigt.

Medikamente gegen Anfälle verändern ganz stark die Persönlichkeit eines Anfallskranken. Meine Epilepsie ist ausgebrochen, als ich drei Jahre verheiratet war. Meine Frau hat es sehr bedauert, dass meine Kinder mich nie so kennengelernt haben, wie sie mich wenige Jahre zuvor geheiratet hatte. Mir blieb damals nur, einen Deal mit der Familie zu machen. Ich hatte große berufliche Verpflichtungen und konnte nicht daraus. Auch meine Familie und alles was damit zusammenhängt, habe ich als angenehme Augabe gesehen. Aufgehört zu arbeiten habe ich erst, als meine Frau und die Kinder ihre beruflichen Pläne realisiert hatten.

Wenige Jahre später bin ich zusammengebrochen. So gern wie ich bis dahin gearbeitet hatte, so schwer ist es mir gefallen, nichts mehr zu tun. Kurze Zeit später kam der epilepsiechirurgische Eingriff. Er hat mir ein neues Leben geschenkt. Bin seit der OP anfalls- und aurenfrei.

Rückblickend stelle ich fest, dass Krankheit jede Beziehung kaputt macht. Ob sie dann trotzdem noch weiterbesteht, ist eine andere Sache. Es geht um die Qualität. Beurteilen können es leider nur Betroffene. Ich wünsche allen eine anfallsfrei Zeit, Gesundheit und einen guten Weg.

Viele Grüße
Anton


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