Eine schwere Entscheidung ...

Ela, Wednesday, 18.08.2010, 12:00 (vor 5845 Tagen) @ Andreas


dürfte ich fragen, woher diese Zahl stammt? Epilepsie ist grundsätzlich eine schwer zu therapierende Krankheit, und da erscheinen solche Behauptungen recht fraglich.


Die deiner Ansicht nach fragliche Aussage stammt von Prof.Elger (Epileptologie Bonn) und Dr.Dieter Schmidt und ist der Fachliteratur „Praktische Epilepsiebehandlung –praxisorientierte Diagnose u.Differenzialdiagnose, rationale Therapiestrategien und handlungorientierte Leitlinien-“ entnommen .
„Unter einer adäquat ausgewählten und ausreichend dosierten Antiepileptikatherapie werden global etwa 2 von 3 Patienten anfallsfrei“
http://books.google.de/books?id=bv8yfkMzEEcC&pg=PA41&lpg=PA41&dq=praktische+Epilepsiebehandlung+elger+leitlinien+zur+Behandlung&source=bl&ots=ZAM1D_HqIY&sig=PBlW0gPSES1uQfspK_dOLIpri88&hl=de&ei=E59rTITmBeSkOJPCxZMC&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=2&ved=0CBwQ6AEwAQ#v=onepage&q=praktische%20Epilepsiebehandlung%20elger%20leitlinien%20zur%20Behandlung&f=false
Du hast aber recht Andreas, eine solche Mittelwertszahl, bleibt eine Mittelwertszahl, die nicht berücksichtigt, dass es Epilepsien/-Syndrome gibt, die weitaus leichter mit AEs einstellbar sind (z.B. das Janz-Syndrom) als andere (z.B. symptomatische fokale Epilepsien).

Dennoch, warum sollte man als erstmalig mit der Diagnose Epilepsie konfrontierter Patient gleich davon ausgehen, dass man nun gerade nicht zu der Gruppe gehören sollte, bei der eine Einstellung nicht problemlos möglich ist?

Zitat:
„Oberstes Therapieziel (egal bei welcher Therapie) sollte immer die völlige Anfallsfreiheit des Patienten sein. Dieses Ziel ist aber leider nicht in jedem Fall zu erreichen - weder mit schulmedizinischen, noch mit naturheilkundlichen Mitteln. Aber wieso soll Deiner Ansicht nach die naturheilkundlich Behandlung abgebrochen werden, wenn nach wie vor Anfälle auftreten?“

Das ist für mich eine Sache der Vernunft und Logik. Warum sollte man eine Therapie, die in der Vergangenheit ihre Unwirksamkeit bewiesen hat, weiterführen? (Wobei ich jetzt mal völlig außen vorlasse, dass es niemals irgendwelche Studien darüber gegeben hat, die eine signifikante Wirksamkeit von ausschließlicher Behandlung mit Homöopathika oder anthroposophischer Präparate in der Epilepsiebehandlung gegeben hat).
Ich würde schließlich auch nicht eine Behandlung mit einem bestimmten Antikonvulsivum weiter forcieren, welches in der Vergangenheit keine oder ungenügende Wirksamkeit gezeigt hat. Natürlich würde ich auch hier eine Medikamentenumstellung erwarten. Sicher ist die Epilepsiebehandlung leider oftmals eine „Trial and Error“ Angelegenheit. Nur, warum sollte ich von vornherein ausschließlich auf das Pferd setzen, das blind und lahm ist. Die Chancen damit das Ziel zu erreichen (Anfallsfreiheit), gehen gegen Null.

Zitat:
„Es kann doch durchaus ein positives Zeichen sein, wenn unter der Behandlung die Häufigkeit und die Heftigkeit der Anfälle langsam immer weiter abnimmt. Oder würdest Du bei einem solchen Verlauf zu einem Therapieabbruch raten?“

Wovon sprichst du hier? Von einer akuten Epilepsie, die ohne medikamentöse Einstellung, ausschließlich mit alternativen Mitteln, zum Erliegen kommt? Das ist mir persönlich noch nicht untergekommen noch ist hierüber irgendetwas in der Fachliteratur zu finden. Oder sprichst du von einer Epilepsie, die mit weniger als 2 Anfällen im Jahr von den Ärzten als nicht unbedingt medikamentös einzustellen eingeordnet wird. Nun ja, ob eine derartige Epilepsie nun mit oder ohne Alternativ-Methoden behandelt wird ist doch letztendlich Jacke wie Hose.
Das Letztere wäre doch schön, warum sollte ich jemand auf Biegen und Brechen eine Behandlung mit Antiepileptika unterjubeln wollen, der doch (fast) anfallsfrei ist? Das sollte in der Tat das Ziel in der Epilepsiebehandlung sein.

Ansonsten verlasse ich persönlich mich lieber auf Sachen, die ihre Wirksamkeit bewiesen haben. Z.B. Phenobarbital und Diphenylhydantoin i.V. auf der Intensivstation, weil ich auch weiterhin möchte, dass mein Kind ohne gößere Schäden solche Dinge übersteht.


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